Manchmal reicht ein ganz normales Wochenende, um wieder nach vorne zu schauen.
Zwei Arbeitstage.
Mehr sind es bisher nicht. Zwei ganz normale Arbeitstage nach dem Klinikaufenthalt. Und irgendwie fühlt sich das gerade nach deutlich mehr an.
Nicht, weil ich in diesen zwei Tagen irgendetwas Weltbewegendes geschafft hätte. Ich habe gearbeitet, am Rechner gesessen, Dinge erledigt und E-Mails gelesen. Vermutlich habe ich sogar mehrmals darüber nachgedacht, warum manche Menschen eine Mail mit drei Sätzen schaffen, für die andere einen halben Roman brauchen.
Also eigentlich: ganz normaler Büroalltag.
Und genau das ist gerade irgendwie schön.
Nach den letzten Wochen mit Untersuchungen, Ärzten, Krankenhaus und ziemlich viel Zeit zum Nachdenken – über diese besondere Art des Wartens habe ich erst am Samstag geschrieben – ist es angenehm, wieder Dinge zu tun, die nichts mit medizinischen Befunden zu tun haben. Arbeiten, Kaffee trinken, nach Hause kommen und sich überlegen, was am Wochenende passiert.
Das ist vielleicht gar nicht so spektakulär. Aber manchmal sind es genau diese ganz normalen Dinge, die einem zeigen, dass das Leben wieder ein bisschen mehr aus dem besteht, was man selbst aussucht.
Und dann steht da plötzlich dieser Herbst vor der Tür.
Gestern noch strahlender Sonnenschein und fast schon wieder dieses Gefühl, dass der Herbst es vielleicht doch noch nicht ganz ernst meint. Heute dagegen Regen, nasse Straßen und diese frische, kalte Luft, bei der man sofort merkt: Jetzt ist es wirklich Herbst.
Und ich mag beides.
Ich liebe diese sonnigen Herbsttage, an denen man durch die bunten Blätter läuft und die Sonne noch einmal alles golden aussehen lässt. Aber ich mag auch die anderen Tage. Wenn es draußen regnet, die Luft kalt in der Nase kitzelt und die Blätter unter den Füßen rascheln und knacken.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die den Herbst für mich so besonders macht.

Draußen darf es ungemütlich sein. Drinnen darf es dafür umso gemütlicher werden.
Der erste Tee der Herbstsaison wurde bei mir übrigens schon im Krankenhaus getrunken. 🤣 Aber ganz ehrlich: Tee im Krankenhaus ist einfach Tee im Krankenhaus. Zu Hause bekommt er eine ganz andere Bedeutung.
Eine große Tasse in der Hand, das Sofa, eine Decke und vielleicht ein bisschen Regen am Fenster. Und natürlich Klößchen, die vermutlich der Meinung ist, dass Gemütlichkeit grundsätzlich bedeutet, sich möglichst nah an mich zu kuscheln.
Genau das sind für mich diese kleinen Dinge, die den Herbst ausmachen. Nicht unbedingt große Pläne, sondern dieses Gefühl, dass man nach Hause kommt und es sich dort einfach gut anfühlt.
Und passend dazu gab es heute endlich etwas, das ich schon ewig ausprobieren wollte: Spaghettikürbis mit Erbsen-Schinken-Soße.
Ich wollte das wirklich schon lange einmal machen und irgendwie hat es bisher nie gepasst. Aber jetzt ist Herbst. Also wann, wenn nicht jetzt?
Ich liebe es, dass der Herbst plötzlich auch auf dem Teller landet. Kürbis, warme Soße, etwas Herzhaftes und danach am liebsten direkt wieder aufs Sofa. Ich glaube, an dieses Konzept könnte ich mich gewöhnen.
Und mein Wochenende hat ebenfalls einiges vor.
Morgen geht es mit den Mädels nach Karlsruhe zum Fußball. Allein das verspricht schon einen guten Abend.
Samstag steht dann unser großer Stammtisch an. Keramik bemalen, lecker essen, reden, lachen und einfach Zeit miteinander verbringen.
Und diesmal gibt es noch einen ganz besonderen Grund, mich darauf zu freuen: Besuch aus den USA hat sich angekündigt.
Karo kommt.
Und ich freue mich wirklich darauf, sie wiederzusehen.
Es gibt Menschen, bei denen ist es völlig egal, wie viel Zeit vergangen ist. Man sieht sich wieder und irgendwie ist da sofort dieses vertraute Gefühl. Kein großes „Wir müssen unbedingt mal wieder …“, kein kompliziertes Aufholen. Einfach da sein, zusammen sitzen, reden und wahrscheinlich viel zu viel essen.
Also eigentlich genau das, was ein gutes Wochenende können sollte.
Und wenn das Wetter und die Zeit mitspielen, könnte es sogar noch für eine kleine Runde auf dem Riesenrad am Ulmer Münster reichen, bevor es wieder abgebaut wird.
Ich finde ja, Riesenräder haben etwas völlig Unvernünftiges. Man steigt freiwillig in eine kleine Gondel, wird ziemlich weit nach oben gefahren und tut dann so, als wäre das eine vollkommen normale Freizeitbeschäftigung.
Aber der Blick von oben ist es meistens wert.
Und vielleicht ist genau das gerade mein Gedanke für diese Woche: Man muss nicht immer wissen, wie die nächsten Monate aussehen. Man muss nicht jede Frage sofort beantworten können.
Manchmal reicht es, wenn man weiß, was morgen passiert.
Fußball, Samstag Keramik, gutes Essen, Menschen, die man mag, eine Freundin aus den USA, die man viel zu lange nicht gesehen hat, vielleicht ein Riesenrad und ganz viel Herbst dazwischen.
Frische Luft. Raschelnde Blätter. Ein warmer Tee. Klößchen auf dem Sofa. Und vielleicht wieder etwas Neues auf dem Teller.
Ich glaube, ich habe in den letzten Wochen wieder einmal gemerkt, wie wertvoll Vorfreude sein kann. Dieses kleine Gefühl, wenn man weiß: Da kommt etwas, auf das ich mich freue.
Nicht irgendwann oder vielleicht, sondern ganz konkret. Morgen. Samstag. Dieses Wochenende.
Und vielleicht ist das gerade genau das, was ich brauche. Nicht den großen Plan für alles, sondern einfach ein schönes Wochenende.
Ein bisschen Herbst, ein bisschen Gemütlichkeit und Menschen, die mir wichtig sind.
Und danach sehen wir weiter.
Denn manchmal ist „weiter“ gar kein großer Schritt. Manchmal ist es einfach nur der nächste Freitagabend.
