Vielleicht habe ich mich ein bisschen verloren…
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man plötzlich merkt, dass man zwar jeden Tag beschäftigt war, aber gar nicht mehr weiß, wohin man eigentlich unterwegs ist?
Ich glaube, genau da bin ich gerade.
Die letzten Monate waren anstrengend. Gesundheit, Umzug, Renovierung, Sorgen, Erschöpfung… irgendwann habe ich innerlich beschlossen: Dieses Jahr ist eigentlich schon vorbei. Komm, wir warten einfach auf 2027.
Eine grandiose Strategie. Kann ich jedem empfehlen, der gerne sieben Monate vorspulen möchte.
Irgendwann habe ich dann gemerkt, wie absurd das eigentlich ist. Jeder Tag, den ich einfach nur verstreichen lasse, weil ich auf irgendeinen imaginären Neustart warte, ist ein Tag, den ich nie wieder zurückbekomme.
Und vielleicht habe ich mich dabei auch ein kleines Stück verloren.
Nicht dramatisch. Ich bin nicht verschwunden. Ich weiß noch, wo meine Wohnung ist. Meistens zumindest.
Aber ich weiß gerade nicht mehr so genau: Was will ich eigentlich? Wo möchte ich hin? Welche Träume habe ich noch?
Nach meinen zwei Jahren in den USA hatte ich einen riesigen Teil meiner Bucket List abgearbeitet. Damals stand ich schon einmal an genau so einem Punkt. Plötzlich waren viele große Träume erfüllt.
Also habe ich mir Zeit gelassen.
Ich bin dem Leben einfach ein bisschen gefolgt. Habe aufgehört, ständig nur zu funktionieren. Habe versucht, das Leben mehr zu genießen.
Damals hing jedes Jahr eine kleine Liste an meinem Kühlschrank.
Keine To-do-Liste.
Keine „Du musst produktiver werden“-Liste.
Sondern eine Liste mit Dingen, auf die ich mich freuen wollte.
Dieses Jahr?
Nichts.
Kein Zettel.
Keine Ziele.
Nicht einmal ein halbherziger Punkt wie „Pflanze nicht wieder alle Zimmerpflanzen gleichzeitig um.“
Und wisst ihr was?
Ich vermisse das.
Nicht, weil ich mich wieder in ein Hamsterrad werfen möchte. Ganz im Gegenteil.
Ziele müssen doch gar nicht immer größer, schneller, weiter bedeuten.
Manchmal bedeutet ein Ziel einfach nur, gut auf sich aufzupassen.
Oder sich selbst etwas Schönes zu schenken.
Mehr als die Hälfte des Jahres ist vorbei.
Ist es zu spät, noch eine Liste anzufangen?
Vielleicht.
Aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust, mich an solche Regeln zu halten.
Wer hat eigentlich beschlossen, dass Pläne immer am 31. Dezember enden müssen?
Ich jedenfalls nicht.
Also fange ich eben heute an.
Ich möchte dieses Jahr noch so oft wie möglich an den kleinen Baggersee um die Ecke fahren. Verrückt eigentlich. Jahrelang wusste ich nicht einmal, dass es ihn gibt. Und jetzt fühlt er sich ein bisschen wie Urlaub an.
Ich freue mich riesig auf unsere Kreuzfahrt im November. Und genauso auf unser Wochenende in Österreich im Dezember. Vorfreude ist schließlich auch eine Form von Glück.
Ich möchte wieder besser auf mich achten.
Gesünder kochen.
Bewusster essen.
Meine letzten Blutwerte waren richtig gut. Das kam nicht von ungefähr. In den letzten Wochen habe ich das ein wenig schleifen lassen.
Also zurück zu dem, was mir guttut.
Innerhalb der nächsten zwei Jahre möchte ich unbedingt die Nordlichter sehen.
Mit dem Zug.
Im Winter.
Einfach Richtung Norden.
Nicht möglichst schnell ankommen, sondern unterwegs sein.
In diesem Fall ist tatsächlich der Weg das Ziel.
Und wenn wir schon bei großen Träumen sind:
Albanien.
Innerhalb der nächsten zwei Jahre.
Und wenn das irgendwie möglich ist…
…nicht allein.
Sondern mit Klößchen.
Ja, ich weiß. Meine Katze hat von diesem Plan noch keine Ahnung. Sie wird vermutlich erst einmal Einspruch einlegen.
Aber ich kenne sie.
Mit genügend Leckerlis ist fast alles verhandelbar.
Meine Wohnung ist inzwischen endlich fertig.
Wirklich fertig.
Nicht „fast fertig“, nicht „nur noch dieses eine Regal“.
Fertig.
Jetzt muss ich lernen, genau das zu tun, worauf ich die ganze Zeit hingearbeitet habe:
Ankommen.
Mich wohlfühlen.
Es genießen.
Und dann gibt es da noch diesen einen Punkt.
Wer mich kennt, weiß, dass er seit Jahren auf meiner Bucket List steht.
Ich möchte ein Buch schreiben.
Nein, wirklich.
Ihr dürft lachen.
Ich tue es manchmal selbst.
Aber ich möchte das tatsächlich.
Und wisst ihr was?
Ich habe überlegt, es vielleicht genau hier zu tun.
Auf dieser Seite.
Nicht alles auf einmal.
Sondern Stück für Stück.
Kapitel für Kapitel.
Vielleicht wird daraus irgendwann wirklich ein Buch.
Vielleicht auch nicht.
Aber wäre das wirklich schlimm?
Nein.
Denn manchmal entsteht etwas Großes genau dann, wenn man einfach anfängt.
Ohne perfekten Plan.
Ohne Garantie.
Einfach mit dem ersten Satz.
Und vielleicht ist genau das mein eigentliches Ziel.
Mich wiederzufinden.
Nicht die Version von früher.
Nicht irgendeine perfekte Version.
Einfach mich.
Ein bisschen heilen.
Ein bisschen wachsen.
Ein bisschen glücklicher werden.
Denn genau darum geht es doch am Ende.
Das Leben besteht nicht daraus, immer anzukommen.
Es besteht daraus, unterwegs zu sein.
Und ich glaube…
…ich habe gerade wieder angefangen zu laufen.
PS: Ist es verrückt zu erwähnen, dass ich mich bereits auf die Weihnachtszeit freue und dieses Jahr unbedingt einen Baum möchte und schon genau weiß, wo er stehen wird?