Sandra
PUH… WAS FÜR TAGE UND WOCHEN
Ich weiß, es ist ruhig geworden.
Zumindest hier.
In meinem Leben hingegen war es alles andere als ruhig.
Vielmehr hatte ich das Gefühl, ein Orkan fegt einmal ordentlich durch. Er bringt alles durcheinander, wirbelt Staub auf, bringt mich ins Wanken. Und jetzt stehe ich in diesem Moment danach. Der Staub legt sich langsam. Man schaut sich um. Betrachtet die Schäden. Atmet die klare, fast reinigende Luft ein. Und versucht zu verstehen, wie es von hier weitergeht.
Dass die Zeit nach Norwegen intensiv werden würde, war mir klar.
Aber nicht, dass sie so viel wird.
Selbst für jemanden wie mich – stressgeprüft, belastbar – war es zu viel.
Ich habe versucht, auf gute Ratschläge zu hören. Dinge abzusagen. Räume freizuschaufeln. Und jedes Mal wurden sie wieder gefüllt – mit Terminen, Verpflichtungen, Dingen, die sich nicht verschieben lassen.
Gestern und heute habe ich mir bewusst ein kleines Stück Luft gegönnt.
Ganz ohne Arbeit ging es trotzdem nicht.
Es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich gerade fühle.
Vielleicht auch, weil ich noch nicht über alles sprechen kann.
Es gibt eine Sache, die noch nicht hundertprozentig feststeht, mich aber massiv beschäftigt. Solange sie nicht sicher ist, will ich keine Worte darüber verlieren. Aber sie beeinflusst mein Denken. Mein Handeln.
Und dann war da Startnext.
Dieses Projekt hat mich Zeit gekostet. Energie. Glauben.
Und zwischendurch auch Vertrauen.
Dass bei mir Dinge schiefgehen, überrascht Menschen, die mich kennen, vermutlich nicht einmal. Aber warum diesmal? Warum bei diesem Projekt?
Am Ende ist alles gut gegangen.
Und doch weiß ich bis heute nicht genau, was passiert ist.
Ich hatte Angst.
Echte Angst.
Nicht zu wissen, wer einem etwas antut – oder warum – hinterlässt Spuren. Ich merke, wie ich skeptischer geworden bin. Vorsichtiger. Vielleicht dünnhäutiger.
Ich versuche mir zu sagen: Nicht stehenbleiben. Fokus behalten. Weiterlaufen.
Nach Startnext kommt der Kalender.
Er nimmt Form an.
Er bekommt Tiefe.
Ich hauche ihm Stück für Stück Leben ein.
Und gleichzeitig wächst die Angst:
Was, wenn er jemandem nicht gefällt?
Ich versuche, diesen Zustand als Motivation zu sehen. Als Anspruch. Nicht als Zweifel.
Und während all das passiert, denke ich an Menschen.
An Freunde, die besondere Geburtstage feiern.
An Freunde, deren Gesundheit wichtiger ist als jeder Plan.
An Chemnitz.
An Gespräche, die bleiben.
An Menschen, die mich verstehen, ohne dass ich alles erklären muss.
Ich bin unfassbar dankbar für diesen kleinen Kreis von Herzensmenschen.
Für Vertrauen. Für Nähe. Für Echtheit.
Und auch wenn sich gerade alles dreht – ich liebe dieses Leben.
Im Oktober steht noch das Mitarbeiterfest an.
Organisation. Hausmesse.
Danach bleiben mir zwei Wochen für den Umzug.
Darauf freue ich mich. Wirklich.
Es wird anstrengend. Neben Job. Neben Projekten. Neben allem.
Aber es wird.
Und plötzlich ist schon Dezember.
Vielleicht ein paar Tage Ruhe.
In einer neuen Wohnung.
Nach einem Jahr, das kaum Luft gelassen hat.
Verrückt, wenn man im September das restliche Jahr schon verplant hat.
Oder man könnte sagen: Ich habe einen Plan.
Bevor ich jetzt sentimental werde, gehe ich zurück an die Norwegen-Bilder.
Und ihr?
Was beschäftigt euch gerade?
Dinge, die waren? Dinge, die kommen?
Oder das, was gerade um uns herum passiert?
Habt einen wundervollen Sonntag.
Passt gut auf euch auf.
Sandra