Wort am Sonntag – Manchmal passen zwei Menschen einfach nicht zusammen
Es ist kurz nach sieben Uhr an einem Sonntagmorgen.
Klößchen war der festen Überzeugung, dass es jetzt wirklich genug mit Schlafen ist. Diskussionen zwischen zwei Frauen, die beide ziemlich genau wissen, was sie wollen und was sie nicht wollen, enden erfahrungsgemäß selten in einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ergebnis.
Also bin ich aufgestanden.
Und jetzt sitze ich hier. An diesem wunderschönen Schreibtisch. Das Fenster ist offen, die ersten Sonnenstrahlen scheinen mir direkt ins Gesicht – was mich erstaunlicherweise überhaupt nicht stört. Vor mir steht ein leckerer Kaffee und ich schreibe gerade tatsächlich schon das 20. „Wort am Sonntag“.
Zwanzig.
Ich finde, dafür darf man kurz innehalten.
Ganz oft passiert es unter der Woche, dass ich irgendwo sitze, etwas erlebe oder über irgendetwas nachdenke und plötzlich weiß: Darüber schreibe ich am Sonntag.
Weil es mich beschäftigt. Weil es mich bewegt. Weil ich etwas verstanden habe. Oder zumindest glaube, etwas verstanden zu haben – was bekanntlich nicht immer dasselbe ist. 😉
Heute ist es ein bisschen anders.
Diese Woche war schwer.
Richtig schwer.
Und zwar in vielerlei Hinsicht.
Ich habe in den letzten Tagen sehr viel über mich selbst gelernt. Über Dinge, die ich gut kann. Aber eben auch über Dinge, in denen ich nicht besonders gut bin.
Und auch das sind wichtige Erkenntnisse.
Denn vielleicht besteht Erwachsenwerden irgendwann weniger daraus, immer besser zu werden, sondern auch darin, ehrlich anzuerkennen: Das hier kann ich noch nicht besonders gut.
Zum Beispiel diesen Blog.
Ich habe mich immer wieder gefragt, welchen Mehrwert er Euch eigentlich beim Lesen bietet.
Ich bin keine Journalistin. Ich schreibe über Dinge, die mich beschäftigen. Über das Leben, über Gedanken, Gefühle, manchmal Politik, manchmal völlig banale Dinge und manchmal über meine eigenen kleinen Katastrophen.
Anders könnte und wollte ich diesen Blog vermutlich auch gar nicht schreiben.
Trotzdem wäge ich immer wieder ab:
Ist das interessant für Euch?
Kann man darüber schreiben?
Ist das vielleicht zu persönlich?
Will das überhaupt jemand lesen?
Und manchmal umschreibe ich Dinge. Benenne sie nicht konkret. Nicht, weil ich sie nicht aussprechen möchte, sondern weil ich mich selbst, mein Privatleben und die Menschen darin schützen möchte.
Heute Morgen habe ich gemerkt, dass das nur bedingt funktioniert.
Denn wenn man die letzten Wochen dieses Blogs gelesen hat, kann man vermutlich ohnehin ziemlich gut erkennen, durch welche Zeiten ich gegangen bin – und teilweise noch gehe.
Ich habe es nur nie wirklich klar ausgesprochen.
Warum eigentlich?
Um meine Ex-Partnerin zu schützen?
Um es für mich selbst nicht endgültig zu machen?
Um mir Zeit zu geben, zu leiden, zu heilen und zu verarbeiten?
Weil man über solche Dinge nicht öffentlich spricht, sondern nur mit den Menschen, die einem wirklich nahestehen?
Warum eigentlich nicht?
Vielleicht, weil es uns verletzlich macht.
Und verletzlich zu sein ist verdammt unangenehm.
Da ist es doch viel einfacher, sich über Politik aufzuregen. Oder über irgendein gesellschaftliches Thema. Oder über Menschen, die man nicht kennt und deren Leben einen nicht unmittelbar betrifft.
Das kann man wunderbar analysieren, bewerten und kommentieren.
Das eigene Leben ist da deutlich komplizierter.
Denn da geht es plötzlich nicht mehr um Recht haben.
Da geht es um Gefühle.
Und deshalb sage ich es heute einfach.
Ja. Ich habe mich getrennt.
Ja. Ich bin wieder Single.
Und ja – ich fange mit fast 46 tatsächlich noch einmal von vorne an, was dieses Beziehungsgame betrifft.
Ich muss zugeben: So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Es war keine Kurzschlussreaktion. Keine spontane Entscheidung, kein „Dann war’s das eben“.
Es war vielmehr ein Wochen-, wenn nicht sogar monatelanger Prozess.
Und nichts daran ist schön.
Nichts davon habe ich mir gewünscht.
Und ja, es tut weh.
Es wird vermutlich auch noch eine ganze Weile wehtun.
Aber gleichzeitig weiß ich, dass es richtig ist.
Und keine Sorge: Hier folgt keine öffentliche Rosenschlacht. Dafür gibt es keinen Grund.
Es gibt eigentlich nur einen Satz, der alles ziemlich gut beschreibt:
Manchmal gibt es zwei Menschen, die sich lieben und trotzdem nicht zueinander passen.
Ganz simpel.
Ganz einfach.
Und trotzdem genauso schmerzhaft.
Natürlich gab es in den vergangenen Wochen unendlich viele Momente, in denen ich gelitten habe. Und es wird vermutlich auch noch einige geben.
Ich hinterfrage mich.
Ich suche Fehler bei mir.
Ich frage mich, ob ich richtig gehandelt habe.
Ob ich mehr hätte tun können.
Ob ich etwas hätte anders machen müssen.
Und in den besonders miesen Momenten nehme ich gleich das komplette Leben auseinander und stelle gefühlt alles infrage.
In den weniger miesen Momenten wird mir dann aber klar:
Das ist normal.
Das gehört dazu.
Zu Heilung. Zu Verarbeitung. Zu Reflexion.
Und vielleicht sogar dazu, irgendwann ein bisschen besser zu werden.
Weil man etwas gelernt hat.
Über den anderen.
Über Beziehungen.
Über das Leben.
Und vor allem über sich selbst.
Und damit kommen wir zu dem Blog von vor zwei Wochen.
Das Alter hat tatsächlich einen Vorteil.
Man weiß irgendwann, dass die Welt nicht untergeht.
Ich kann mir heute die Zeit geben, die ich brauche.
Für die Gedanken.
Für die Gefühle.
Vielleicht auch ein bisschen fürs Leiden.
Denn auch das gehört dazu.
Wenn zwei Menschen sich trennen, kann das für beide etwas wirklich Grausames sein. Etwas, das tief geht und lange schmerzt.
Und trotzdem hoffe ich, dass es ihr irgendwann wieder besser geht.
Und mir natürlich auch.
Wir sind gesund – sie mehr als ich. 😉
Wir haben beide ein gutes Leben.
Es hat nur beziehungstechnisch nicht funktioniert.
„Nur.“
Was für ein kleines Wort für etwas, das sich manchmal riesig anfühlt.
Und gleichzeitig weiß ich inzwischen auch: Es gibt Dinge, die deutlich schwerer wiegen.
Menschen in meinem Umfeld geht es gerade aus gesundheitlichen Gründen nicht gut.
Und das ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber.
Das soll den gemeinsamen Trennungsschmerz nicht kleinreden.
Überhaupt nicht.
Schmerz muss nicht miteinander konkurrieren.
Aber der Unterschied ist trotzdem gravierend.
Und genau da liegt eine meiner größten Erkenntnisse dieser Woche.
Ich habe festgestellt, dass ich eigentlich ziemlich gut darin bin, mit schwierigen Situationen umzugehen, wenn ich selbst betroffen bin.
Dann werde ich zum Kämpfer.
Sofort. Oder zumindest relativ schnell.
Problem erkannt – los geht’s.
Informationen sammeln. Verstehen, was passiert. Möglichkeiten suchen. Lösungen überlegen. Herausfinden, was der „Gegner“ macht.
So war es auch immer bei meinen Krankheiten.
Ich möchte wissen, worum es geht.
Ich möchte verstehen.
Ich möchte vorbereitet sein.
Ich möchte irgendetwas tun können.
Wenn aber jemand, der mir wichtig ist, leidet, funktioniert dieses System plötzlich überhaupt nicht mehr.
Dann bin ich ohnmächtig.
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ich weiß nicht, ob ich zu viel frage oder zu wenig.
Ob ich Nähe geben oder Abstand lassen sollte.
Mein Kopf rattert und versucht herauszufinden, was das Beste wäre.
Und gleichzeitig weiß ich doch: Jeder Mensch ist anders.
Ich selbst brauche in schwierigen Situationen beispielsweise oft erstmal niemanden. Ich muss das mit mir selbst ausmachen, sortieren, verstehen und irgendwann wieder herauskommen.
Aber vielleicht braucht ein anderer Mensch genau das Gegenteil.
Vielleicht braucht er jemanden, der einfach da ist.
Und genau so jemand möchte ich gern sein.
Nur habe ich manchmal Angst, es nicht richtig zu machen.
Das Falsche zu sagen.
Zu viel zu sagen.
Zu wenig.
Denn manchmal gibt es Situationen, in denen man kaum etwas wirklich Richtiges sagen kann.
Jedes Mut machende Wort kann plötzlich wie eine Phrase klingen.
Jedes „Das wird schon“ kann völlig daneben sein.
Das weiß ich selbst am besten.
Also ist das offenbar etwas, worin ich besser werden muss.
Nicht für mich.
Sondern für die Menschen, die mir wichtig sind.
Für Menschen, die es verdient haben, dass jemand da ist, wenn es ihnen nicht gut geht.
Ich wünschte manchmal, ich könnte diesen Menschen einfach vermitteln, wie sehr ich sie mag.
Wie gern ich für sie da wäre.
Wie oft ich an sie denke.
Auch wenn ich vielleicht nicht immer die richtigen Worte finde.
Vielleicht ist das manchmal schon genug.
Vielleicht muss man nicht immer etwas lösen.
Vielleicht muss man manchmal einfach nur bleiben.
Und an dieser Stelle habe ich übrigens noch eine kleine Nebenfrage an mich selbst:
Ist es eigentlich normal, wie ich ticke?
Wenn ich selbst in einer schwierigen Situation bin, schalte ich unglaublich schnell in diesen aktiven, rationalen Modus.
Okay. Das ist jetzt die Situation. Was können wir tun?
Und wenn es um mich selbst geht, funktioniert das erstaunlich gut.
Betrifft es aber jemanden, den ich liebe oder der mir wichtig ist, bleibe ich sehr viel schneller auf der Gefühlsebene hängen.
Weil ich nichts tun kann.
Und genau das ist für mich schwer auszuhalten.
Wenn es Menschen, die ich mag, nicht gut geht, schmerzt mich das manchmal viel mehr, als wenn ich selbst durch eine schwierige Situation gehe.
Dann bleibt mir nur, so gut ich kann da zu sein.
An sie zu denken.
Zu hoffen.
Und mir zu wünschen, dass sich die Dinge bald verändern.
Dass es ihnen besser geht.
Dass sie diese Last irgendwann nicht mehr tragen müssen.
Ich wünsche ihnen von Herzen nur das Beste.
Und an dieser Stelle einen geschmeidigen Übergang zurück zum normalen Sonntagsleben zu finden, erscheint mir gerade ziemlich unmöglich.
Es würde sich sogar ein bisschen taktlos anfühlen.
Also lassen wir das einfach.
Springen wir nicht elegant über Gefühle hinweg, sondern lassen sie kurz dort stehen, wo sie sind.
Vielleicht ist das ja auch etwas, das ich gerade lerne.
Nicht alles muss sofort aufgeräumt werden.
Nicht jeder Gedanke braucht ein hübsches Ende.
Manchmal darf etwas einfach stehen bleiben. Einatmen, Ausatmen.
Und jetzt ganz langsam und mit Respekt zu etwas völlig anderem.
Oder vielleicht auch gar nicht so völlig anderem.
Geht es nur mir so oder hat noch jemand das Gefühl, dass der Sommer vorbei ist?
Ausgerechnet diese Woche.
Die Woche, in der auch andere Dinge ein endgültiges Ende gefunden haben.
Nach Wochen, in denen wir geschwitzt haben wie die Wahnsinnigen, kam plötzlich Regen.
Kühlere Temperaturen.
Und irgendwie sieht draußen alles schon ein bisschen gelber aus.
Vielleicht liegt das natürlich auch daran, dass die Pflanzen in den vergangenen Wochen und Monaten viel zu wenig Wasser bekommen haben.
Vielleicht sehe ich aber auch einfach gerade mit meiner ganz persönlichen Sonntagsbrille.
Dieses Gefühl, dass der wilde Party-Sommer langsam ruhiger wird.
Dass die Luft anders riecht.
Dass die ersten Blätter fallen.
Dass der Herbst irgendwo schon leise anklopft.
Ein bisschen Melancholie.
Vielleicht ist es aber auch einfach nur meine Stimmung heute.
Wer weiß.
Wort am Sonntag, inzwischen halb neun Uhr.
Ich mache mir jetzt erstmal ein kleines Frühstück.
Danach geht es eine Runde in den Wald.
Spazieren.
Und gleichzeitig ein bisschen Material suchen.
Denn ich habe tatsächlich etwas Neues für mich entdeckt:
Basteln.
Ja.
Ich.
Basteln.
Ich weiß selbst noch nicht genau, was da passiert ist. Vielleicht ist das einfach die nächste Phase der persönlichen Entwicklung. Erst Beziehungskrise, dann Bastelprojekte. Man muss offenbar Prioritäten setzen. 😉
Angefangen hat alles mit meinen Fensterbänken im Bad.
Ich habe sie neu verkleidet und dabei gemerkt, wie gut es mir tut, etwas mit den eigenen Händen zu machen.
Etwas Produktives.
Etwas, bei dem am Ende tatsächlich etwas entsteht.
Nun ist die Anzahl meiner Fensterbänke leider begrenzt.
Also musste ich mir neue Opfer suchen.
Eine Laterne.
Eine kleine Kiste fürs Bad.
Beides wird heute Abend vermutlich fertig sein, nachdem ich es nachher noch lackiere.
Und natürlich habe ich dabei viel zu viele tolle Inspirationen gesehen.
Was bedeutet: Ich habe jetzt ungefähr 47 neue Ideen.
Und nur sehr begrenzt Platz dafür.
Aber das hält mich ja offensichtlich nicht auf.
Deshalb geht es heute in den Wald zur Materialsuche.
Danach hoffe ich, dass das Wetter hält und ich noch nach meinem Hochbeet schauen kann.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie glücklich mich dieser kleine Gartentest dieses Jahr gemacht hat?
Ich glaube, ich kann es kaum erwarten, nächstes Jahr beide Hochbeete aufzustellen und richtig loszulegen.
Dann wird gesät, gepflanzt, gehegt, gepflegt und wahrscheinlich wieder irgendeine Pflanze von mir beleidigt, weil sie nicht so wächst, wie ich mir das vorgestellt habe.
Ich sehe mich jetzt schon.
„Aber warum machst du DAS denn jetzt schon wieder?!“
Und die Pflanze schweigt.
Vermutlich aus gutem Grund.
Und wenn dann noch ein bisschen Sonne übrig bleibt, möchte ich mich heute tatsächlich einfach in die Hängematte legen.
Kaffee.
Hörbuch.
Nichts müssen.
Vielleicht ist das gerade genau das, was ich brauche.
Nicht alles lösen.
Nicht alles verstehen.
Nicht alles sofort wieder gerade ziehen.
Einfach ein bisschen sein.
Und vielleicht ist genau das die Erkenntnis, die ich aus dieser schweren Woche mitnehme:
Man muss nicht immer kämpfen.
Manchmal darf man auch einfach müde sein.
Man darf traurig sein.
Man darf nicht wissen, was als Nächstes kommt.
Man darf etwas loslassen, obwohl man es geliebt hat.
Und man darf gleichzeitig nach vorne schauen, obwohl man noch zurückblickt.
Das Leben ist selten so ordentlich sortiert, wie wir es gern hätten.
Aber vielleicht muss es das auch gar nicht sein.
Vielleicht reicht es manchmal, morgens um sieben Uhr von einer schwarzen Katze aus dem Bett komplimentiert zu werden, mit einem Kaffee am offenen Fenster zu sitzen und festzustellen:
Ich bin noch da.
Und irgendwie geht es weiter.
Nicht unbedingt so, wie man es geplant hatte.
Aber vielleicht trotzdem gut.
In diesem Sinne:
Wie geht es Euch?
Was macht Ihr heute an diesem Sonntag?
Freut Ihr Euch schon auf den Herbst oder seid Ihr noch nicht bereit, den Sommer gehen zu lassen?
Und vielleicht noch eine ganz andere Frage:
Wie geht Ihr damit um, wenn es Menschen, die Ihr liebt, schlecht geht und Ihr nichts dagegen tun könnt?
Schreibt mir gern in die Kommentare.
Ich würde mich wirklich freuen, von Euch zu lesen.
Habt einen schönen Sonntag.
Passt auf Euch auf.
Und vielleicht denkt Ihr heute einmal daran:
Nicht alles, was endet, war falsch.
Und nicht alles, was weh tut, ist eine falsche Entscheidung.
Eure Sandra