Zum Inhalt springen

Wort am Sonntag 02.08.2026

Zurück in die Routinen (oder: Warum Regalböden das neue Sexy sind)

Hallo ihr Lieben,

mein Sommerurlaub ist vorbei.

Okay… okay… ich sehe eure fragenden Gesichter förmlich vor mir.„Welcher Sommerurlaub denn bitte, Sandra?“

Ich gebe es zu – da war gerade eine ordentliche Portion Zynismus dabei.

Denn wenn ich ehrlich bin, bestand mein „Urlaub“ hauptsächlich aus Umzugskartons, Farbeimern, Werkzeug, Staub und der gruseligen Erkenntnis, dass sich Kartons nachts heimlich fortpflanzen. Anders kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, warum nach dem Ausräumen einer Wohnung in der neuen plötzlich wieder gefühlt hundert davon herumstanden.

Aber wisst ihr was? Genau so musste dieser Urlaub dieses Jahr sein.Ich habe zwei Wohnungen renoviert, bin umgezogen und konnte ein Kapitel abschließen, das schon viel zu lange darauf gewartet hat, endlich zugeschlagen zu werden.

Natürlich wäre eine Woche am Meer schöner gewesen. Andererseits… Sand findet man nach dem Urlaub ja auch noch drei Jahre später in den Schuhen. Ich hatte stattdessen eben jede Menge Staub und Muskelkater.

Aber ich bin tatsächlich dankbar, dass ich die Zeit hatte, alles in Ruhe fertig zu machen.

Von null auf hundert (ohne dass der Kaffee weiß, wie ihm geschieht)

Diese Woche ging es dann zurück ins Büro. Natürlich nicht langsam und gemütlich mit einer Tasse Tee zum Eintrudeln.

Nein.

Monatsabschluss.

Also von null auf hundert, bevor mein erster Kaffee überhaupt verstanden hatte, was da gerade mit ihm passiert. Aber erstaunlicherweise war das völlig in Ordnung.

Viel spannender war nämlich etwas ganz anderes: Zum ersten Mal bin ich morgens aus meiner neuen Wohnung zur Arbeit gestartet.

Neue Küche.

Neues Bad.

Neue Geräusche.

Neue Aussicht.

Und plötzlich habe ich etwas entdeckt, womit ich im Leben nicht gerechnet hätte: Meine eigene Morgenroutine hat ein Update bekommen.

Normalerweise läuft die bei mir extrem militärisch ab. Aufstehen. Bad. Fertigmachen. Tasche schnappen. Los. Zack, zack, zack. Obwohl ich Gleitzeit habe und theoretisch gemütlich um 9:20 Uhr anfangen könnte, möchte ich immer punkt 6:30 Uhr im Büro sein. Ich mag diesen ruhigen Start in den Arbeitstag. Das gibt mir Struktur.

Diese Woche war plötzlich alles anders. Ich stand morgens in meiner neuen Küche und dachte mir: „Ach komm… fünf oder zehn Minuten später machen die Welt jetzt auch nicht kaputt.“

Also habe ich mir einen Kaffee gemacht, bin auf meinen wirklich wunderschönen Balkon gegangen und habe einfach nur die Morgenluft genossen. Keine Hektik. Kein Handy. Keine To-do-Liste im Kopf. Nur ich, mein Kaffee und dieser Moment.

Und wisst ihr was? Es fühlte sich an wie ein kleines Geschenk an mich selbst.

Wie verrückt eigentlich! Man hetzt morgens oft durch den Tag, als würde jede gesparte Minute über Leben und Tod entscheiden. Dabei reichen manchmal zehn Minuten frische Luft, um den gesamten Tag mit einem völlig anderen Vibe zu starten. Es sind halt doch die kleinen Dinge.

Struktur ist das neue Sexy


Und trotzdem merke ich gerade, dass ich unbewusst nach Sicherheit suche. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert wäre. Nicht, weil ich Angst hätte. Sondern weil Veränderungen eben Veränderungen sind. Man verlässt vertraute Wege, baut sich ein neues Zuhause auf und muss sich selbst erst wieder ein Stück weit neu sortieren.


Kennt ihr dieses Gefühl?

Dieses leichte „Lost sein“, obwohl eigentlich alles okay ist?
Ich finde das gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich sehe darin eher eine Chance. Sich neu zu justieren. Zu hinterfragen. An den eigenen Stellschrauben zu drehen.
Ich habe nämlich über mich gelernt, dass ich im Außen unglaublich viel Struktur brauche. Wenn um mich herum Chaos herrscht, herrscht meistens auch in meinem Kopf Kraut und Rüben. Ist dagegen alles halbwegs sortiert, fällt es mir innerlich deutlich leichter, klar zu denken.


Deshalb freue ich mich tatsächlich auf Montag. Ja… ihr habt richtig gelesen. Ich freue mich auf ein neues Aufbewahrungssystem für meinen Abstellraum.


Mit Mitte vierzig verändern sich Prioritäten offenbar dramatisch. Andere kaufen sich limitierte Sneaker – ich bekomme Herzklopfen bei durchdachten Regalböden. Struktur ist eben sexy. Zumindest rede ich mir das sehr erfolgreich ein.


Haltung zeigen: Wenn der Kompass laut wird


Diese Woche gab es außerdem noch eine Situation im Job, über die ich ziemlich viel nachgedacht habe. Ich glaube, jeder kennt das: Es gibt in jedem Beruf Dinge, die man nicht besonders gern macht. Entscheidungen, die man selbst anders treffen würde. Oder Situationen, die mit den eigenen Werten und Überzeugungen schlicht nicht zusammenpassen.


Ich glaube, viele Menschen geben morgens an der Firmentür ein Stück von sich selbst ab. Nicht, weil sie schlechte Menschen sind. Sondern weil man eben dafür bezahlt wird. Weil Diskussionen Kraft kosten. Weil man nicht immer der unbequeme Querschläger sein möchte. Und vielleicht auch, weil man manchmal Sorge hat, dass Haltung Konsequenzen haben könnte.


Ich hatte diese Woche genau so einen Moment. Ich sollte auf Anweisung etwas erledigen, das sich für mich einfach komplett falsch angefühlt hat. Mir war von Anfang an klar: Ich werde die Anweisung ausführen. Es war nicht meine Entscheidung, also setzte ich sie um. Ich hätte die Aufgabe auch einfach stillschweigend erledigen können. Niemand hätte etwas gesagt. Niemand hätte etwas bemerkt. Haken dran, Feierabend.


Aber ich konnte es nicht.


Also habe ich meinem Vorgesetzten eine E-Mail geschrieben. Ich habe erklärt, dass ich die Anweisung selbstverständlich befolge, gleichzeitig aber klarstellen möchte, dass sie meinen persönlichen Grundsätzen widerspricht und ich sie deshalb nicht richtig finde.


Nicht, weil ich glaubte, dass sich dadurch die Welt dreht. Nicht, weil ich hoffte, jemanden zu bekehren. Eigentlich hatte ich eher damit gerechnet, mir damit Ärger einzuhandeln.


Der Ärger kam nicht. Geändert hat sich an der Sache trotzdem nichts. Und wisst ihr was? Das war in Ordnung.


Denn darum ging es gar nicht. Es ging darum, dass ich mich selbst nicht an der Stempeluhr abgegeben habe. Dass mein eigener Kompass nicht plötzlich Pause macht, nur weil ich im Büro sitze.

Manchmal gewinnt man mit seiner Haltung nichts. Keine Anerkennung, keine Veränderung, keinen Applaus. Aber man verliert eben auch nicht sich selbst. Und das war es mir wert.


Ein kleines bisschen weniger Welt


Während ich also versuche, mein eigenes Leben neu zu sortieren, macht die Welt draußen munter das, was sie momentan offenbar am besten kann: vollkommen durchdrehen.


Diese Woche habe ich mich mal wieder zuverlässig über Politik, Klatsch und den allgemeinen Wahnsinn aufgeregt. Von der FIFA über Trump bis hin zu den neuesten politischen Manövern hierzulande.

Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob irgendwo eine Gruppe von Drehbuchautoren sitzt und sich morgens überlegt: „Wie können wir dafür sorgen, dass sich die Nachrichten heute wie eine schlecht geschriebene Satire anfüllen?“


Mir ist es wichtig, informiert zu sein. Ich möchte mir eine eigene Meinung bilden – auf Grundlage von Fakten und nicht von reißerischen Schlagzeilen oder wilden Internet-Kommentaren. Und trotzdem denke ich immer häufiger: Vielleicht wäre manchmal ein kleines bisschen weniger Welt ganz gesund für die Seele.


Denn den größten Teil dieses globalen Irrsinns kann ich ohnehin nicht beeinflussen. Vielleicht liegt die wahre Kunst darin, informiert zu bleiben, ohne sich von allem auffressen zu lassen.


Fazit
Am Ende war diese Woche vielleicht genau das: Ein Neuanfang.
Mit einer neuen Wohnung.
Mit neuen Routinen.
Mit zehn Minuten Kaffeezeit auf dem Balkon.
Mit Regalböden, auf die ich mich unironisch freue.
Mit einem kleinen Moment Mut im Job.
Und mit der Erkenntnis, dass Veränderungen gar nicht bedeuten, sich selbst komplett neu zu erfinden. Vielleicht geht es vielmehr darum, sich selbst zwischen all den Veränderungen nicht zu verlieren.


Und jetzt interessiert mich eure Meinung:


Wie geht ihr mit Veränderungen um?
Braucht ihr genauso viel Struktur wie ich (und schlägt euer Herz bei Orga-Systemen auch schneller)?
Und wenn euer eigener Kompass mit den Erwartungen anderer kollidiert – folgt ihr dann eurem Bauchgefühl oder sagt ihr euch trocken: „Ist ja nur der Job“?


Ich wünsche euch einen wunderschönen, leichten Sonntag und einen fantastischen Start in die neue Woche! ❤️

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
4 Comments
Michi
Michi
4 Stunden vor

Danke das du uns immer so teilhaben läßt….. wir haben dich lieb

Sandra
Sandra
Antwort auf  Michi
4 Stunden vor

Ich hab euch auch lieb und bin sehr glücklich euch in meinem Leben zu haben. Danke dafür.

Vio
Vio
4 Stunden vor

Mhm manchmal brauch ich Struktur, aber oft ist sie auch störend nur nach Struktur zu handeln.
Danke dass du uns immer teilhaben lässt

Sandra
Sandra
Antwort auf  Vio
4 Stunden vor

Ich verstehe was du meinst. Beruflich ist da sicher anders wie privat. Privat sind es unsere eigenen Strukturen die wir ja auch jederzeit anpassen, umwerfend oder pausieren können 😉 danke für deinen Kommentar.

4
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x