Sonntagsgedanken: Zwischen Geburtstagsregen, Krankenhauskaffee und Renovierungswahnsinn
Es gibt Wochen, die fühlen sich an, als hätte jemand beim Erstellen des Drehbuchs einfach beschlossen: „Ach komm, wir nehmen von allem etwas.“
Montag und Dienstag durfte ich noch arbeiten. Ein kurzer Vorgeschmack auf den Urlaub – oder vielmehr die letzten beiden Arbeitstage, an denen man schon geistig halb im Feierabend und halb auf der Packliste lebt.
Dann kam Mittwoch. Der große Tag. Der 50. Geburtstag meiner Partnerin.
Wochenlang hatte das Wetter nur zwei Zustände: viel zu heiß oder noch heißer. Natürlich entschied sich das Universum genau für ihren Geburtstag, den Himmel aufzureißen und Regen zu bestellen. Ich bin mittlerweile überzeugt, Wetter-Apps sind keine Vorhersagen, sondern Drohungen.
Also wurde improvisiert, umorganisiert, neu geplant und wahrscheinlich zwanzigmal zum Himmel geschaut. Trotzdem wurde es eine richtig schöne Feier. Ich durfte viele großartige Menschen kennenlernen und hatte das Gefühl, dass am Ende gar nicht das Wetter in Erinnerung bleibt, sondern die Menschen. Und genau so sollte es eigentlich immer sein.
Jetzt ist sie allerdings weg.
Nicht im dramatischen Sinn – sie ist auf dem Camino in Portugal unterwegs. Ich wünsche ihr von Herzen eine wunderbare Zeit, viele besondere Begegnungen, blasenfreie Füße und genau die Ruhe, die man manchmal nur findet, wenn man einfach losläuft.
Während auf der einen Seite gefeiert wurde, zeigte die Woche auf der anderen Seite leider auch ihre weniger schönen Seiten.
Eine meiner besten Freundinnen liegt mit Gürtelrose im Krankenhaus. Es ist schwer, jemanden leiden zu sehen, den man gern hat. Gestern haben wir sie besucht – mit Kuchen und Kaffee. Kein klassischer Cafébesuch, sondern ein Distanzbesuch draußen vor dem Krankenhaus. Irgendwie verrückt, wie ein Stück Kuchen selbst auf einem Krankenhausparkplatz für einen kurzen Moment etwas Normalität schaffen kann. Ich wünsche ihr einfach nur, dass sie schnell wieder gesund wird.

Auch politisch gab es diese Woche wieder genug Stoff zum Kopfschütteln.
Die Diskussion um die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die geplante Krankmeldung ab dem ersten Krankheitstag hat mich ziemlich beschäftigt. Nicht, weil sie mich persönlich besonders trifft – als chronisch kranker Mensch muss ich ohnehin fast immer zum Arzt. Aber genau deshalb sehe ich, was diese Entscheidung für viele andere bedeuten kann.
Schon heute sind Arztpraxen vielerorts am Limit. Termine zu bekommen gleicht oft einem Glücksspiel. Gleichzeitig spricht der Bundeskanzler von einer Termingarantie. Ich frage mich ernsthaft, wie das funktionieren soll, wenn künftig noch mehr Menschen wegen einer simplen Erkältung oder eines Magen-Darm-Infekts persönlich in die Praxis müssen.
Das bedeutet volle Wartezimmer. Mehr Ansteckungsrisiko für alle. Mehr Belastung für Ärztinnen, Ärzte und das Praxispersonal, die ohnehin seit Jahren an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Und für chronisch Kranke bedeutet es oft noch längere Wartezeiten, obwohl sie regelmäßige medizinische Betreuung benötigen.
Der eigentliche Widerspruch ist für mich aber ein anderer: Wer krank ist und sich eigentlich nach einem Tag wieder fit fühlen würde, schleppt sich nun zum Arzt, wartet stundenlang zwischen anderen Kranken, steckt sich möglicherweise noch etwas Neues ein – und fällt am Ende vielleicht nicht einen, sondern drei oder vier Tage aus. Das soll effizienter sein?
Was mich fast noch mehr beschäftigt, ist die Botschaft dahinter. Solche Maßnahmen wirken auf mich, als stünde zunächst einmal der Verdacht im Raum, Bürgerinnen und Bürger würden das System missbrauchen. Dieses grundsätzliche Misstrauen halte ich für problematisch. Vertrauen ist eine Grundlage für Demokratie – Misstrauen schafft Frust. Und Frust ist leider oft genau der Nährboden, auf dem populistische Parteien Zulauf bekommen.
Gleichzeitig frage ich mich, warum ausgerechnet über dieses Thema so intensiv diskutiert wird, während andere politische Entscheidungen – etwa die geplanten Änderungen im Rentensystem – deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen. Ob das bewusst geschieht oder nicht, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass sich die öffentliche Debatte an den lautesten Aufregern festbeißt, während die langfristig wichtigeren Themen beinahe nebenbei vorbeiziehen.
Vielleicht ist genau das so geplant.
Vielleicht irre ich mich. Vielleicht sehe ich manches zu kritisch. Aber genau dafür ist ein Blog schließlich da: um Gedanken aufzuschreiben, Fragen zu stellen und Denkanstöße zu geben – nicht, um fertige Antworten zu liefern.
Und dann wäre da noch Klösschen.
Unsere kleine Fellnase hat die Hitze überhaupt nicht vertragen. Sie lag nur noch apathisch irgendwo herum und ich habe mir ehrlich Sorgen gemacht.
Wer Tiere hat, kennt dieses Gefühl: Sie können einem nicht sagen, was los ist, und genau das macht es so schwer. Umso schöner ist es zu sehen, dass sie jetzt wieder durch die Wohnung flitzt, als wäre nie etwas gewesen.
Und heute?
Heute beginnt der nächste Endgegner.
Die alte Wohnung wartet.
Streichen, räumen, schleppen, renovieren. Kurz gesagt: Ich starte offiziell in den Renovierungswahnsinn.
Falls also jemand in den nächsten Tagen einen Menschen sieht, der mit Farbrolle in der einen und Nervenzusammenbruch in der anderen Hand durch die Gegend läuft – ich war’s.
Diese Woche war irgendwie alles gleichzeitig: Freude und Sorgen. Feiern und Krankenhaus. Urlaub und Abschied. Regen und Hitze. Politik zum Kopfschütteln und eine Katze, die beschlossen hat, uns kurz einen Herzinfarkt zu schenken.
Vielleicht ist genau das das Leben. Selten ordentlich sortiert, oft chaotisch und manchmal ziemlich anstrengend.
Aber zwischen all dem bleiben die Momente, die zählen: Menschen, die man liebt. Freunde, um die man sich sorgt. Ein Stück Kuchen. Eine gelungene Feier. Eine Katze, die wieder durchs Wohnzimmer sprintet.
Und jetzt entschuldigt mich bitte.
Ich habe eine Wohnung, die offenbar der Meinung ist, sie könne sich nicht von allein renovieren.
Sehr schön geschrieben und danke das es dich gibt.
Schön dass es dich gibt und weiterhin gute Besserung damit du bald wieder bei uns bist 😘😘😘