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Wort am Sonntag 28.06.2026

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Zwei Wochen Funkstille.

Manche haben vielleicht schon gedacht, ich hätte den Blog aufgegeben. Keine Sorge – ich habe lediglich beschlossen, zwischendurch mal selbst Stoff für neue Geschichten zu sammeln.

Der Plan war allerdings ein anderer.

Nach unserer zweiwöchigen Klösschen-Rettungsaktion im Wald habe ich mir offenbar einen blinden Passagier eingefangen. Die Zecke selbst habe ich nie zu Gesicht bekommen. Sie war wohl eher von der schüchternen Sorte. Ihre Visitenkarte hat sie dafür umso deutlicher hinterlassen: eine wunderschöne Wanderröte und eine aktive Borreliose. Ganz ehrlich… wenn man schon ein Souvenir aus dem Wald mitnimmt, hätte ich einen Tannenzapfen bevorzugt.

Die Folge: krankgeschrieben, Antibiotika, Arzttermine, Blutabnahmen, Untersuchungen und das volle Programm.

Ich habe deshalb eine wichtige Entscheidung getroffen: Für den Rest des Jahres gehe ich in einen Weißkittel-Detox. Abgesehen von meinen Pflichtterminen möchte ich bis Silvester keine Arztpraxis mehr von innen sehen. Es reicht. Ich habe mein Jahresabo auf Wartezimmer, Desinfektionsmittelgeruch und „Nehmen Sie doch bitte noch kurz im Flur Platz“ für dieses Jahr mehr als erfüllt.

Währenddessen läuft natürlich auch noch der Umzug. Durch Klösschen und die Krankheit hat sich alles etwas gezogen. Kartons stehen noch herum, Dinge tauchen an Orten auf, an denen sie definitiv nicht hingehören, und ich frage mich mittlerweile, warum man eigentlich 37 Ladekabel besitzt, aber nie das richtige findet.

Aber: Es wird.

Noch zwei Arbeitstage – dann beginnt endlich der Urlaub.

Ja, dieses Jahr ist es schon ein komisches Gefühl. Eigentlich wären wir wie immer irgendwo unterwegs. Stattdessen heißt das Reiseziel diesmal: Karton links, Karton rechts und zwischendurch mal zum Wertstoffhof. Nicht ganz so spektakulär wie Schweden oder Fuerteventura… aber immerhin ohne Koffergewichtsbeschränkung.

Und trotzdem freue ich mich riesig darauf.

Einfach mal keinen Wecker stellen. Den Umzug in Ruhe fertig machen. Durchatmen. Ankommen.

Wobei Urlaub dieses Mal auch bedeutet, dass noch ein paar weniger glamouröse Programmpunkte auf mich warten. Die alte Wohnung muss noch gestrichen werden. Und dann heißt es endgültig Abschied nehmen.

Mehr als sieben Jahre habe ich dort gewohnt. Sieben richtig schöne Jahre. Es war ein Zuhause, in dem ich mich immer wohlgefühlt habe – und das lag nicht nur an der Wohnung selbst, sondern vor allem an den Menschen drumherum. Ich hatte dort wirklich die besten Nachbarn, die man sich wünschen kann. Menschen, die helfen, mit denen man lachen kann und bei denen man weiß: Wenn mal etwas ist, ist jemand da.

Und jetzt kommt der eigentlich verrückte Teil: Ich bin gar nicht weggezogen. Ich bin ein Haus weiter gezogen. Wirklich. Es liegt mehr Abstand lzwischen meinem Sofa und dem Kühlschrank als zwischen meiner alten und meiner neuen Haustür.

Als ich mich diese Woche ummelden wollte, war ich deshalb völlig verdutzt. Die Dame im Bürgerbüro erklärte mir ganz selbstverständlich, dass ich jetzt offiziell gar nicht mehr in Vöhringen-Illerberg wohne, sondern in Vöhringen-Thal. Ich dachte erst, sie macht einen Witz. Macht sie aber nicht. Offenbar verläuft genau zwischen meinem alten und meinem neuen Zuhause eine Ortsteilgrenze. Man zieht also ein Haus weiter – und wandert verwaltungstechnisch in einen anderen Ortsteil aus.Ich musste wirklich lachen. Da wohnt man über sieben Jahre in einer Straße, zieht genau ein Haus weiter und plötzlich ist alles anders. Neue Adresse, neuer Ortsteil und wahrscheinlich muss ich mich demnächst erst noch an den Thaler Dialekt gewöhnen… falls es überhaupt einen gibt.

Ich hoffe jedenfalls sehr, dass gute Nachbarschaft keine Ortsteilgrenzen kennt. Denn auch wenn jetzt auf dem Papier „Thal“ statt „Illerberg“ steht – für mich bleiben es dieselben großartigen Menschen. Und ich freue mich, dass ich meine Lieblingsnachbarn auch weiterhin nur ein paar Schritte entfernt habe. 

Die neue Wohnung entschädigt nämlich für vieles. Der Balkon ist riesig. Da ist Platz für ein Hochbeet, eine Hängematte, gemütliche Sitzmöbel und vermutlich auch noch für die ein oder andere spontane Grillrunde. Ich sehe mich jetzt schon dort sitzen, morgens mit einem Kaffee oder abends mit einem kühlen Getränk, während ich mich darüber freue, dass das Hochbeet bereits bepflanzt ist und es sogar schon die erste Tomatenernte gab…

Apropos Durchatmen…Ich liebe den Sommer. Wirklich.

Aber mehrere Tage mit Temperaturen um oder sogar über 40 Grad? Irgendwann fühlt sich jeder Gang nach draußen an, als würde einem jemand mit einem Föhn ins Gesicht pusten. Auch in der Wohnung ist es für mich eher eine Sauna bei um die 30 Grad. Man öffnet morgens das Fenster und bekommt nicht etwa frische Luft, sondern das Gefühl, jemand hätte den Backofen vorgeheizt.

Ein paar Grad weniger wären also völlig in Ordnung.

Außer am Mittwoch.

Da hätte ich nämlich einen kleinen Wunsch ans Wetter. Ein besonderer Mensch feiert Geburtstag – und ausgerechnet an diesem Tag wollen die Wetterfrösche Regen, Gewitter und schlechte Laune verteilen.

Warum denn ausgerechnet dann?

Kann das Wetter nicht einfach noch einen Tag warten?

Menno.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche. Passt auf euch auf, kontrolliert euch nach jedem Waldbesuch lieber einmal mehr auf Zecken, genießt den Sommer – auch wenn er gerade etwas übermotiviert ist – und schätzt die Menschen um euch herum. Denn am Ende merkt man: Zuhause ist nicht der Ortsteil, der auf dem Meldeschein steht. Zuhause sind die Menschen, bei denen man sich angekommen fühlt.

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