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2021

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War 2021 ein gutes Jahr?
Sagen wir: Es war ein schwieriges.

Eigentlich wollte ich das Thema Corona ausklammern. Aber geht das überhaupt? Es hat unser Leben bestimmt – jeden einzelnen Tag. Jeder hat seine Meinung dazu. Darum soll es hier nicht gehen. Für mich war es, wie es war.

Mein letzter Blogeintrag zu diesem Thema war vom 18.04.2020. Über eineinhalb Jahre ist das her. Wahnsinn, wie schnell Zeit vergeht. Und ja – ein Teil von mir schämt sich fast, so lange nichts geschrieben zu haben. Dabei ist nichts passiert. Und gleichzeitig so viel.

Ich war oft „voll“. Voller Gedanken, voller Gefühle. Es hätte alles rausgemusst. Aber ich fand keine Worte. Und selbst heute geht mir das noch manchmal so.

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann war es geprägt vom Abschied.

Abschied von Atlanta.
Abschied von den USA.
Abschied von Menschen, die mir dort ans Herz gewachsen sind.

Abschied von Beziehungen, von Lebensmodellen, von einer Version meines Alltags, die ich erst im Nachhinein wirklich zu schätzen gelernt habe. Manche Dinge lassen sich eben nicht über Ozeane transportieren.

Es gab auch andere Abschiede. Von alten Gewohnheiten. Von Menschen, die gegangen sind – und eine Zukunft gleich mitgenommen haben.

Letzteres schmerzte am meisten.

Ich habe gemerkt, dass es wohl eine meiner größten Schwächen ist, Dinge verstehen zu wollen. Wenn ich keine Antworten bekomme, kreise ich. Suche nach dem Warum. Frage mich, was ich hätte anders machen können. Was an mir falsch ist. Und irgendwann stehe ich vor diesem einen Gedanken: Das will ich nie wieder.

Nie wieder Pläne schmieden, die heute funkeln und morgen nichts mehr wert sind.
Nie wieder mich einlassen, um am Ende verlassen zu werden.

Das klingt düster. Vielleicht melodramatisch. Aber dieser Blog gehört mir. Und wenn ich hier ehrlich bin, dann gehört auch das dazu.

Und doch habe ich am Ende des Jahres etwas Wichtiges verstanden:

Es ist keine Schwäche, sich wieder einzulassen.
Es ist eine Stärke.

Jemandem Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken ist keine Schwäche –
dies überhaupt noch zu können, ist eine Stärke.

Selbst im unsichersten Moment möchte ich mir das nicht mehr nehmen lassen. Auch wenn ich die möglichen Folgen kenne. Ich kenne sie gut.

Diese Erkenntnis hat mich versöhnlich werden lassen.

2021 war nicht nur Abschied. Es war auch Veränderung.

Mit der Diagnose Diabetes Typ II musste ich mein Leben umstellen. Und ich habe es getan. Ich habe Gewicht verloren, mein Langzeitzuckerwert stimmt meine Ärztin zufrieden. Darauf darf ich stolz sein.

Zwei Operationen haben mir dieses Jahr zusätzlich Grenzen gesetzt. Sportverbot. Ruderverbot. Und das ausgerechnet, nachdem ich mir endlich mein eigenes Kajak gekauft hatte. Der Plan war klar: jedes Wochenende ein anderes Gewässer. Das Leben hatte andere Pläne. Und wenn wir ehrlich sind – das Wetter hat auch nicht gerade mitgespielt.

Nächstes Jahr wird gepaddelt.

Ich hatte drei wunderschöne Kurzurlaube. Kein Grund, dem Nicht-Gewesenen nachzutrauern. Sondern dankbar zu sein für das, was möglich war. Besonders der letzte Ausflug an den Gardasee – ich bin froh, dass ich ihn gemacht habe.

Was 2022 bringt? Ich möchte es auf mich zukommen lassen. Vielleicht Irland mit dem Auto. Vielleicht ein einsames Ferienhaus in Schweden mit Kajak. Vielleicht eine kleine Reise durch Europa. Wer weiß.

Was ich aber wieder einführen möchte: einmal im Monat ein kleiner Ausflug. So wie in den USA. Egal wie groß oder klein – es zu tun zählt.

Und ja, ich möchte einen Flaschengarten anlegen. Nicht lachen. Ich finde das großartig.

Es stehen einige Dinge auf meiner Liste für 2022. Und ich freue mich darauf. So wie ich rückblickend auch auf 2021 schauen kann – nicht mit Euphorie, aber mit Zufriedenheit.

Ich bin bei mir.

Meine Lieben sind größtenteils gesund. Welchen Grund hätte ich zu jammern?

Es geht mir gut.
Und ich hoffe euch auch.

Die Zeiten sind nicht einfach. Sie kosten Kraft. Aber vielleicht brauchen wir gerade jetzt mehr Demut. Mehr Bewusstsein dafür, wie viel dennoch gut ist. Wer neben uns steht. Und oft genug hinter uns.

Kommt gut ins neue Jahr.
Passt auf euch auf – ihr seid euer Zuhause.
Achtet auf die Menschen an eurer Seite. Lächelt. Schenkt Liebe.

Wir haben alle mehr zu geben, als wir manchmal glauben.

Passt gut auf euch auf.
Sandra

 

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