Sandra
„GLÜCKLICHSEIN IST MEINE WAHL …“
Zugegeben – in dunklen Momenten würde ich Postkarten mit solchen Sprüchen am liebsten gegen die Wand werfen.
„Glücklichsein ist deine Entscheidung.“
Ja, danke. Wenn es einem schlecht geht, klingt das wie Hohn.
Und trotzdem muss ich sagen:
Bei mir ist es lange her, dass ich wirklich unglücklich war.
Rege ich mich noch auf? Natürlich.
Erst heute habe ich im Büro erfahren, dass ein Kollege hinter meinem Rücken Dinge erzählt hat, die nicht stimmen.
Früher hätte mich das tagelang beschäftigt. Ich hätte analysiert, interpretiert, zerlegt.
Ich bin ein Denker. Schweigen und Nichtstun anderer haben mich früher fast wahnsinnig gemacht.
Heute?
Es regt mich auf – klar.
Aber es erschüttert mich nicht.
Sein Handeln hat nichts mit meinem Wert zu tun.
Ich bin in dieser Geschichte höchstens der Blitzableiter.
Morgen spreche ich ihn an. Ruhig. Direkt. Ohne Drama.
Und dann ist es erledigt.
Der Weg zu diesem Punkt war nicht einfach.
Der erste Schritt zu meinem heutigen Mindset war gleichzeitig der schwerste:
Zu verstehen, dass mein Glück ausschließlich von mir selbst abhängt.
Wenn ich einem Kollegen die Macht gebe, mir meinen Tag zu ruinieren, dann habe ich ihm zu viel Raum gegeben.
Wenn Menschen plötzlich schweigen, kann ich mir wochenlang den Kopf zerbrechen – oder ich kann akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann.
„Love it – leave it – change it.“
Mehr Optionen gibt es nicht.
Ist Glück wirklich unabhängig von anderen?
Wenn man Menschen fragt, was Glück bedeutet, hört man oft:
Familie. Partner. Kinder.
Und das ist wunderschön.
Aber es ist kein allgemeingültiges Rezept.
Man kann nicht beschließen:
„Ab heute habe ich eine Familie, einen Partner, einen Hund – und dann bin ich glücklich.“
Dazu gehören andere Menschen.
Und nicht jeder findet oder will diesen Weg.
Heißt das automatisch Unglück?
Nein.
Für mich bedeutet Glück vor allem: Freiheit.
Die Freiheit, mein Leben zu gestalten.
Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich bewusst wähle.
Ohne Anspruch. Ohne Muss. Ohne „so gehört sich das“.
Wenn jemand mit mir Kaffee trinken geht, telefoniert oder mir schreibt, schenkt er mir Zeit.
Und Zeit ist Leben.
Ansprüche sind da fehl am Platz.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich sagen kann:
Ich habe ein perfektes Leben.
Nicht perfekt im Sinne von fehlerfrei.
Sondern im Sinne von stimmig.
Dankbar für jeden Morgen.
Dankbar auch für die dunkleren Momente – denn sie gehören dazu.
Dankbar für jeden Menschen, der seinen Platz in meinem Leben hat.
Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Existieren.
Erst wenn man Eigenverantwortung übernimmt, liegt man abends ausgeglichen im Bett.
Ich denke oft an diese Geschichte mit den Kieselsteinen:
Morgens steckt man sich eine Handvoll in die linke Hosentasche.
Für jeden schönen Moment wandert einer in die rechte.
Abends schaut man, wie viele gewandert sind.
Ich mache das nicht praktisch – aber gedanklich jeden Tag.
Denn das, worauf wir unseren Fokus richten, wird größer.
Wenn ich nur das Negative sehe, wird es mein Leben dominieren.
Wenn ich das Positive sehe, bekommt es Gewicht.
Daran glaube ich.
Wann ich zuletzt glücklich war?
Heute.
Gestern.
Am Wochenende.
Ein Samstag mit Freunden.
Ein Sonntag ganz für mich.
Gestern ein unterhaltsamer Abend in angenehmer Gesellschaft.
Heute Morgen bin ich aufgewacht, habe das Fenster geöffnet, die Vögel gehört, die kühle Luft gespürt – und war einfach nur da.
Glücklich.
Und ja – ich bin dankbar für dieses ausgesprochen geile Leben.
Zum Schluss noch diese zehn Fragen. Ich liebe sowas.
Was wirst du in 20 Jahren bereuen?
Nichts.Zu wie vielen Menschen hast du „Ich liebe dich“ gesagt?
Viel zu wenigen.Hättest du dich selbst gern als Freund?
Ja. Ich glaube, ich bin ganz nett.Wo möchtest du gern berührt werden?
Im Herzen. Lange bevor jemand mich körperlich berührt.Attraktiver oder sympathischer?
Ich nehme Echtheit.Hast du deine große Liebe schon getroffen?
Vielleicht ist „die eine“ ein Mythos. Vielleicht sind es mehrere. Vielleicht ist es auch eine Leidenschaft.Vernunft oder Unvernunft – was hat dich weitergebracht?
Beides.Würdest du wissen wollen, woran du stirbst?
Auf keinen Fall.Wann hast du zuletzt etwas riskiert?
Ist es nicht jeden Tag ein Risiko, ehrlich zu sagen, was man fühlt?Lieben oder geliebt werden?
Lieben zu können ist ein Geschenk.
Und falls das wie Floskeln klingt – mag sein.
Aber es sind meine.
Passt gut auf Euch auf.
Sandra