Sandra
MEMO AN MICH SELBST – AUCH ICH MUSS DINGE ANDERS SEHEN …
Im Moment schreibe ich viel.
Verschiedene Themen. Unterschiedliche Richtungen.
Und manches wird nicht fertig.
Nicht, weil mir die Worte fehlen –
sondern weil ich mich noch nicht ganz darin finde.
Und bevor ich etwas veröffentliche, will ich sicher sein, dass es wirklich meins ist. Also schlafe ich noch die ein oder andere Nacht darüber.
Aber heute habe ich etwas gelesen, das mich an eine Situation erinnert hat, die ich viel zu gut kenne.
Stille.
Unerklärte Stille.
Wenn jemand plötzlich weniger schreibt.
Weniger fragt.
Weniger teilt.
Und sich irgendwann einfach – sang- und klanglos – aus deinem Leben verabschiedet.
Schon mal erlebt?
Mich hat das oft an meine Grenzen gebracht.
In Schweigen kann man alles hineininterpretieren.
Man analysiert.
Man zerdenkt.
Man fragt sich:
Was habe ich falsch gemacht?
Denn meistens ist Schweigen nicht neutral.
Es ist der Anfang vom Ende.
Es bedeutet, dass sich etwas verändert hat.
Dass sich etwas nicht mehr so anfühlt wie früher.
Dass jemand nicht mehr reden möchte wie zuvor.
Und statt den direkten, vielleicht unbequemen Weg zu gehen und das offen auszusprechen, wird geschwiegen.
Schweigen ist bequem.
Schweigen braucht keine Erklärung.
Schweigen überlässt dem anderen die Arbeit.
Und wer einmal beginnt zu schweigen, kehrt selten zurück.
Früher hat mich das ohnmächtig und wütend gemacht.
Weil ich nichts ändern konnte.
Man kann niemanden zwingen zu reden.
Aber ich kann meine Perspektive ändern.
Wenn sich Gefühle oder Interessen verändert haben – legitim.
Wenn jemand seine Zeit lieber mit jemand anderem teilt – legitim.
Wenn jemand Dinge allein klären möchte – ebenfalls legitim.
Aber dann sag es.
Respekt bedeutet nicht, immer zu bleiben.
Respekt bedeutet, ehrlich zu gehen.
Und hier beginnt mein „Memo an mich selbst“:
Es ist nicht mehr meine Aufgabe, herauszufinden, warum jemand schweigt.
Nicht mehr meine Aufgabe, fehlende Antworten zu kompensieren.
Nicht mehr meine Aufgabe, in hundert Richtungen zu interpretieren.
Wenn jemand auf eine erste, klare Nachfrage nicht reagiert,
dann ist das auch eine Antwort.
Vielleicht denkt diese Person, ich hätte Stille verdient.
Vielleicht hat sie ihre Gründe.
Aber ich verdiene Worte.
Ich verdiene Klarheit.
Ich verdiene Menschen, die nicht über Nacht verschwinden.
Und vielleicht ist die Ironie tatsächlich wahr:
Die beste Antwort auf Menschen, die sich still zurückziehen,
ist ebenfalls Stille.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus Selbstachtung.
Meine Worte sind wertvoll.
Und ich möchte sie denen schenken, die sie hören wollen.
Passt gut auf Euch auf.
Sandra
Passt gut auf Euch auf!
Sandra