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Wort am Sonntag 15.03.2026

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Zwischen Schlagzeilen und Schweigen

Es gibt Wochen, in denen man das Gefühl hat, die Welt dreht sich ein bisschen schneller als sonst. Politisch, gesellschaftlich, persönlich – alles gleichzeitig. Diese Woche war für mich so eine Woche.

Wenn man Nachrichten verfolgt, kann es sich manchmal anfühlen, als würde ein stetiger Strom aus Schlagzeilen auf einen einprasseln. Entscheidungen, Statements, politische Strategien, Reaktionen – oft schneller, als man sie wirklich verarbeiten kann. Und gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Gefühl, dass Politik immer weniger erklärt und immer mehr nur noch kommentiert wird.

Ich habe in meinem letzten Blogbeitrag bereits über ein Beispiel geschrieben, das in Baden-Württemberg für Diskussionen gesorgt hat – rund um Hagel und die CDU-Wahl. Darin ging es auch um Verantwortung, um öffentliche Wahrnehmung und darum, wie schnell Schuld verteilt wird, wenn politische Karrieren ins Wanken geraten. Wer den Beitrag noch nicht gelesen hat, findet ihn weiterhin auf meinem Blog.

Doch eigentlich steht dieser Fall nur exemplarisch für etwas Größeres. Für eine politische Kultur, die immer öfter von schnellen Schuldzuweisungen, strategischer Kommunikation und öffentlicher Empörung geprägt ist.

Und ich merke bei mir selbst: Es strengt mich zunehmend an, Nachrichten zu verfolgen.

Nicht, weil Politik mich nicht interessiert – im Gegenteil. Sondern weil sich vieles gerade so schwer anfühlt. Als würde man ständig versuchen, den Überblick zu behalten, während gleichzeitig immer neue Themen aufpoppen. Man schaut Nachrichten, liest Kommentare, verfolgt Diskussionen – und irgendwann merkt man, dass es mehr Energie kostet, als man eigentlich gerade übrig hat.

Vielleicht geht es vielen gerade so.

Die seltsame Erleichterung nach dem MRT

Parallel zu all dem gab es in meinem persönlichen Leben diese Woche ebenfalls einen Moment, der sich kaum in Worte fassen lässt.

Am Tag meines MRTs wurde mir zunächst gesagt, dass keine Raumforderungen zu sehen seien. Dass eigentlich alles gut aussehe.

Dieser Satz hat in mir eine enorme Erleichterung ausgelöst. Für einen Moment fiel etwas von mir ab.

Keine Tumoren. Keine offensichtlichen strukturellen Probleme.

Und doch blieb da gleichzeitig diese Verwirrung.

Denn meine Sehprobleme sind ja weiterhin da. Das Gefühl im Auge. Die Veränderungen beim Sehen. Dieses irritierende Gefühl, dass etwas nicht stimmt – auch wenn man gerade gesagt bekommt, dass eigentlich alles in Ordnung sei.

Es fühlte sich fast unwirklich an.

Erleichternd und gleichzeitig unlogisch.

Man kennt seinen Körper schließlich ein wenig. Und wenn Symptome bleiben, verschwinden die Fragen nicht einfach nur deshalb, weil ein Befund zunächst beruhigend klingt.

Der Anruf, der alles wieder öffnet

Einen Tag später kam dann der Anruf aus der Augenklinik.

Der finale MRT-Bericht sei inzwischen da, sagte man mir. Und darin gebe es wohl doch etwas, das neurologisch abgeklärt werden müsse.

In solchen Momenten merkt man, wie schnell sich ein Gefühl wieder drehen kann.

Die kurze Erleichterung war sofort wieder von etwas anderem überlagert: Unsicherheit.

Nicht einmal unbedingt Angst – eher dieses diffuse Gefühl, dass wieder ein neuer Abschnitt der Ungewissheit beginnt. Termine organisieren. Fachärzte finden. Untersuchungen abwarten. Ergebnisse verstehen.

Und vor allem: warten.

Wer schon einmal in medizinischen Abklärungen gesteckt hat, weiß, wie lang sich diese Wartezeiten anfühlen können. Wochen. Manchmal Monate. Wenn ich an meine Diagnose des Morbus Bechterew denke, manchmal sogar Jahrzehnte, man sollte meinen ich könnte das also gut aushalten.

Zeit, in der man versucht, normal weiterzumachen – während im Hinterkopf ständig diese offene Frage steht.

Was ist es?

Die Geduld, die man lernen muss

Ich hatte gehofft, dass sich diese Fragen vielleicht noch vor meinem Urlaub klären lassen würden.

Dass ich mit einer gewissen Gewissheit in diese Reise gehen kann.

Das wird nun offenbar nicht passieren.

Stattdessen werde ich diese Gedanken wohl mit ins Handgepäck nehmen.

Nicht sichtbar, nicht greifbar – aber trotzdem da.

Und ich glaube, genau das ist eine der schwierigsten Seiten solcher Situationen: Die Ungewissheit.

Nicht zu wissen, ob etwas Ernstes dahintersteckt.

Nicht zu wissen, ob man sich vielleicht unnötig Sorgen macht.

Und gleichzeitig auch nicht einfach so tun zu können, als wäre nichts.

Man lernt dabei Geduld. Oder zumindest versucht man es.

Zwischen persönlicher Unsicherheit und Weltgeschehen

Vielleicht ist es auch genau diese Mischung aus persönlichen Themen und dem ständigen Strom politischer Nachrichten, die mich diese Woche besonders nachdenklich gemacht hat.

Wenn man selbst gerade mit Unsicherheit zu tun hat, wirkt die Welt manchmal noch lauter. Noch chaotischer.

Man liest Schlagzeilen über politische Streitigkeiten, Schuldzuweisungen oder strategische Machtspiele – und denkt sich gleichzeitig:

Wie klein manche dieser Debatten wirken können, wenn man gerade ganz andere Fragen im Kopf hat.

Und doch gehören beide Ebenen zusammen.

Das große gesellschaftliche Geschehen und die ganz persönlichen Geschichten.

Vielleicht ist genau das auch ein Grund, warum politische Entwicklungen Menschen manchmal so stark ermüden können. Weil sie sich ohnehin schon mit genug Unsicherheiten im eigenen Leben beschäftigen.

Ein neuer Reiseblog – diesmal direkt aus dem Urlaub

Gerade deshalb fühlt sich die kommende Reise für mich im Moment auch besonders wichtig an. Ab Mittwoch wird es auf meinem Blog einen neuen Reiseblog geben – diesmal etwas anders als bisher.

Normalerweise schreibe ich meine Reiseberichte erst nach der Rückkehr. Diesmal möchte ich es anders machen.

Ich werde täglich direkt aus dem Urlaub schreiben.

Die Seite dafür existiert bereits auf meinem Blog unter Reisen & Fotografie → Reisen → Fuerteventura.

Bis Mittwoch werde ich dort noch ein wenig über die Reisevorbereitung schreiben – über Planung, Gedanken vor der Abreise und alles, was zu einer Reise eben dazugehört.

Und ab Mittwochmittag wird es dann jeden Tag neue Einträge direkt von vor Ort geben.

Ein kleines digitales Reisetagebuch.

Eine notwendige Auszeit

Ich glaube, diese Auszeit kommt gerade genau zum richtigen Zeitpunkt.

Wenn ich ehrlich bin:

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir im Moment richtig gut geht.

Zu viele offene Fragen.

Zu viele Gedanken.

Und gleichzeitig weiß ich auch, dass es mir im Vergleich zu vielen anderen Menschen immer noch gut geht. Dass ich privilegiert bin, reisen zu können. Zeit zu haben, Dinge aufzuschreiben. Perspektive zu haben.

Diese Balance zwischen Dankbarkeit und Ehrlichkeit ist manchmal gar nicht so leicht.

Man darf sich eingestehen, dass etwas gerade schwer ist – und trotzdem sehen, dass andere Menschen vielleicht noch ganz andere Herausforderungen tragen.

Ich versuche, mir genau diese Haltung zu bewahren: ehrlich mit mir selbst zu sein, aber gleichzeitig demütig zu bleiben.

Vielleicht hilft das Schreiben

Vielleicht hilft dieser Reiseblog auch genau deshalb.

Weil Schreiben manchmal eine Art ist, Gedanken zu sortieren.

Weil Fotografie helfen kann, den Blick wieder auf das zu richten, was schön ist.

Auf Licht.

Auf Landschaften.

Auf kleine Momente.

Und vielleicht ist genau das gerade das Richtige.

Ein paar Tage Abstand.

Ein bisschen Meer.

Ein bisschen Wind.

Und jeden Tag ein paar Worte darüber, wie sich alles gerade anfühlt.

Ich freue mich, wenn ihr mich auf dieser Reise begleitet.

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