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Lighthouse Projekt

LIGHTHOUSE PROJECT

Es gibt Momente, in denen man merkt, dass Reden allein nicht reicht.
Dass Meinungen laut sind – aber Geschichten leise bleiben.

Seit Monaten tragen wir eine Idee mit uns herum.
Eine Idee, die gewachsen ist aus Gesprächen, aus Begegnungen, aus Momenten, die nachhallen.
Jetzt ist sie bereit, sichtbar zu werden.

LIGHTHOUSE PROJECT geht online.

Ein Leuchtturm steht nicht im sicheren Hafen.
Er steht draußen.
Im Wind.
In der Dunkelheit.
Und zeigt trotzdem Richtung.

Genau das möchten wir tun.

Leuchttürme sind ein Symbol für die Wegweisung in den sicheren Hafen und das Umschiffen von Gefährdungen.

Es gibt Zahlen.
250 Millionen Menschen – so heißt es beim UNHCR – sind im letzten Jahrhundert geflohen, vertrieben oder deportiert worden.
Das 20. Jahrhundert wird das „century of the homeless man“ genannt.
Das Jahrhundert der Heimatlosen.

Aber hinter jeder Zahl steht ein Gesicht.
Eine Familie.
Eine Entscheidung.
Ein Abschied.

Und oft auch: Angst.
Missverständnisse.
Vorurteile.

Wir glauben, dass viele dieser Ängste aus Nichtwissen entstehen.
Aus fehlender Begegnung.
Aus fehlender Nähe.

Und genau dort setzt dieses Projekt an.


Wir möchten Geschichten erzählen.
Lebensgeschichten.
Fluchtgeschichten.
Neuanfänge.

Nicht politisch.
Nicht bewertend.
Nicht erklärend von oben herab.

Sondern persönlich.

Wir suchen Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft, Religion oder Geschlecht –
die ihr Heimatland verlassen haben
und bereit sind, uns ihre Geschichte anzuvertrauen.

Warum sind sie gegangen?
Wie war dieser Moment?
Was tragen sie bis heute in sich?
Und was wünschen sie sich für ihre Zukunft?

Zu jeder Geschichte entsteht ein schlichtes Schwarz-Weiß-Portrait.
Ohne Inszenierung.
Ohne Filter.
Nur Mensch.

Dieses Projekt wäre ohne Unterstützung nicht möglich.

Ein riesengroßes Danke an den Verein Menschlichkeit Ulm e.V.,
dessen ehrenamtliche Helfer uns insbesondere bei Übersetzungen begleiten – eine Arbeit, die wir allein niemals stemmen könnten.

Ebenso danken wir dem Evangelischen Diakonieverband Ulm/Alb-Donau – Flüchtlingssozialarbeit Ulm.
Hier entstehen nicht nur die Shootings – hier entstand auch der Gedanke, dass dieses Projekt notwendig ist.


Bundespräsident Joachim Gauck sagte einmal:

„Es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland…“

Vielleicht ist genau das unser Ansatz.
Ein kleines Licht setzen.
Kein großes Feuer.
Kein lauter Protest.
Sondern ein stiller Leuchtturm.

Denn wie Martin Luther King sagte:

„Kein Mensch ist illegal.“

Menschen können vieles sein.
Mutig. Verzweifelt. Stark. Suchend.
Aber illegal?

Nein.


Wenn wir beginnen, einander zuzuhören,
wenn wir Geschichten nicht nur konsumieren, sondern verstehen wollen,
dann verlieren Vorurteile ihre Schärfe.

Vielleicht nicht bei allen.
Aber bei manchen.

Und manchmal reicht das.

Rodin aus Syrien

Manchmal reichen Bilder nicht aus.

Im Lighthouse Project erzählen wir Geschichten meist in Portraits und Worten.
Aber bei Rodin war schnell klar: Seine Geschichte braucht mehr Raum.
Mehr Zeit.
Mehr Stimme.

Zum ersten Mal haben wir uns entschieden, eine Geschichte in Form eines Videos zu erzählen – oder besser gesagt: erzählen zu lassen.

Rodin kommt aus Syrien.
Er ist geflüchtet.
Allein.

Nicht, weil er seine Frau und seine Kinder zurücklassen wollte.
Sondern weil er sie schützen wollte.

Die Flucht war teuer.
Sehr teuer.
Und sie war gefährlich.

Er wusste, dass er dieses Risiko nicht seiner Familie zumuten konnte.
Sein Plan war ein anderer:
Er wollte vorausgehen.
Den unsicheren Weg nehmen.
Und seine Familie später auf legalem, sicherem Weg nachholen.

Wie gefährlich diese Reise tatsächlich werden würde,
hätte er sich selbst in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können.

In seinem Video spricht er über Angst.
Über Entscheidungen, die kein Mensch treffen sollte.
Über Hoffnung.
Und über die Verantwortung, Vater zu sein – selbst auf der Flucht.

Manchmal verstehen wir eine Geschichte erst,
wenn wir den Menschen selbst sprechen hören.

RODIN

Seine Geschichte

Hallo, mein Name ist Rodin. Ich stamme aus Syrien und bin einer der Menschen, die aus Syrien geflohen und nach Deutschland gekommen sind.

Wir haben unser Land verlassen wegen des Krieges, wegen Bomben, Raketen und all dem Blut. Ich musste mich entscheiden: Bleibe ich in Syrien und kämpfe mit einer Waffe gegen meine syrischen Brüder – unabhängig von ihrer Religion? Oder fliehe ich vor Mord und Blutvergießen?

Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden – für die Flucht.
Weil ich den Frieden liebe.
Und weil ich meine syrischen Brüder nicht töten möchte.

Meine Reise in Richtung Tod begann am 01.06.2015.

Die Qual begann, als wir Syrien in Richtung Türkei verließen. Ich ging mit meiner Schwester, ihr Name ist Rouwaida. Sie war wie ein Schmetterling.

Wir blieben etwa einen Monat in der Türkei und versuchten – wie alle syrischen Menschen – irgendwie zu entkommen. Der erste Versuch war mit einem Schlauchboot. Vermutlich kennen alle Syrer diese Boote: kleine Boote, mit 50 Menschen überladen, Richtung Tod geschickt.

Der erste Anlauf scheiterte. Wir mussten es erneut versuchen.

Meine Schwester weigerte sich, weil sie das Schlauchboot für zu gefährlich hielt. Also suchten wir einen anderen Schlepper. Er sagte, er habe ein normales Boot und könne uns sicher nach Griechenland bringen. Wir zahlten mehr, um die Sicherheit meiner Schwester zu gewährleisten.

Dieses Datum wird für immer in meinem Kopf bleiben.

07.07.2015 – dieser Tag hat mein Leben verändert.

Wir starteten um 2:00 Uhr nachts. Das Boot wirkte sicherer, nicht wie das Schlauchboot. Es war schnell, aber alt – vielleicht ein ehemaliges Fischerboot.

Nach 20 Minuten veränderte sich mein Leben. Ich weiß nicht genau, was geschah. Der Schlepper stellte den Motor ab, sprang ins Meer – und innerhalb von Sekunden begann das Boot zu sinken.

Ich und meine Schwester waren mit drei Kindern und drei Frauen in einem kleinen Raum im Inneren des Bootes. Man hatte uns gesagt, wir sollten dort sitzen und uns nicht bewegen.

Als das Boot sank, waren wir noch in diesem Raum.

Ich kann noch immer ihre Stimmen hören.
Die Stimmen der Kinder.

Das Wasser kam. Wir konnten nicht hinaus. Ich wusste, ich würde sterben.

In diesem Moment dachte ich an meine Töchter und meine Frau. Ich sah, dass sich etwas öffnete, und versuchte herauszukommen. Eine Frau war bei uns – ich hielt ihr Bein, wollte ihr helfen. Sie hatte Angst und weigerte sich.

Es war dunkel im Wasser. Ich schmeckte Salz, rang nach Luft und kämpfte mich nach oben.

Ich war der Einzige.

An der Oberfläche hörte ich Schreie. Die Menschen, die auf dem Dach des Bootes gewesen waren. Kinder weinten.

Ich schrie so laut ich konnte:
„Rouwaida… Rouwaida…“

Ich wartete.
Ich hoffte.
Aber sie kam nicht.

Die Wellen wurden größer und trugen uns fort. Ich versuchte, die griechische Küste zu erreichen, aber ich konnte sie nicht erreichen.

Nach sechs Stunden fand ich eine kleine Insel. Ich klammerte mich an die Felsen – die Narben an meiner Hand habe ich bis heute. Dort traf ich den Vater der Kinder, die mit uns im Raum gewesen waren. Er weinte und machte sich Vorwürfe: „Was habe ich mir und meiner Familie angetan?“

Trotz meines eigenen Schmerzes versuchte ich, ihn zu beruhigen. Wir entschieden, zur nächsten bewohnten Insel zu schwimmen, um Hilfe zu holen.

Nach drei Stunden war er verschwunden.

Es war etwa 13 oder 14 Uhr. Ich war erschöpft. Ich zog meine Schuhe aus, dann meine Hose, meinen Pullover – alles. Ich fühlte mich, als trüge ich eine schwere Last auf meinen Schultern.

Nur eines behielt ich: das Armband meiner Töchter und meiner Frau. Sie gaben es mir in der Hoffnung, dass ich am Leben bleibe.

Nach zehn oder elf Stunden im Meer verlor ich die Hoffnung. Ich wollte sterben. Ich übergab mich meinem Schicksal.

Plötzlich hörte ich ein Motorengeräusch. Ich dachte, ich halluziniere. Vor meinen Augen sah ich Bilder meiner Töchter. Ihre Geburt. Mein ganzes Leben lief an mir vorbei.

Dann sah ich die Küstenwache.

Ich schrie: „Hilfe… Hilfe…“

Sie kamen näher. Ich fühlte mich wie neu geboren. Ein Mann warf mir eine Rettungsleine zu. In diesem Moment glaubte ich, dass Gott mich gerettet hat – für meine Töchter und meine Frau, weil sie für mich gebetet haben. Vielleicht auch, damit ich Euch meine Geschichte erzählen kann.

Das syrische Volk flieht nicht vor dem Tod, um einen anderen Tod zu finden.
Wir fliehen nicht wegen Geld oder Lebensmitteln.
Wir fliehen, weil wir Frieden wollen.

Wir lieben unsere Heimat. Und ich bin sicher: Wenn alles vorbei ist, werden viele Syrer zurückkehren, um sie wieder aufzubauen.

Der Rest meiner Flucht war wie bei vielen anderen: stundenlang zu Fuß durch serbische Wälder, durch Ungarn. Demütigungen an den Grenzen.

Wir sind diese Erniedrigungen nicht gewohnt. Aber wir ertragen sie, um unseren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Viele fragten mich, warum Deutschland mein Ziel sei.

Weil wir viel über das deutsche Volk gehört haben. Weil ich großen Respekt habe. Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört und hat sich wieder aufgebaut. Es ist zu einem starken Land geworden.

Zum Schluss möchte ich den deutschen Menschen danken – für alles, besonders für die Gastfreundschaft.

Ich hoffe und wünsche mir, eines Tages in mein Land zurückzukehren, um es wieder aufzubauen.

ROSEMARIE (73) aus Elbing (damaliges Preußen, heute Polen)

Ihre Geschichte…

Unsere Flucht begann im Januar 1945 und dauerte fast ein Jahr. Wir flüchteten von Elbing (damaliges Preußen, heute Polen) über Güstrow nach Bielefeld.
Meine Mutter wollte eigentlich schon früher los – aber wir durften nicht. Wir bekamen keinen Besucherschein für den „Westen“, denn schließlich sollten die im „Westen“ nichts von den Problemen an der Ostfront mitbekommen.
Meine Mutter flüchtete allein mit uns 3 kleinen Kindern, meine kleine Schwester war gerade mal 10 Monate alt, ich 3 Jahre und mein Bruder war 7 Jahre alt. Mit dem Kinderwagen, bei minus 30°C und 30-50 Zentimeter Schnee, die rote Armee im Nacken und teilweise Bomben von oben.

Einmal sind die Finger, diese kleinen Finger meiner kleinen Schwester fast erfroren. Sie waren schon ganz blau und dick angeschwollen, meine Mutter rieb diese dann ganz fest mit Schnee ein, somit hat sie wohl verhindert, dass meine Schwester ihre Finger verlor.

Eines Tages kamen wir an einem Hafen an, als mein Bruder dieses riesige Schiff sah, weigerte er sich vehement es zu betreten, egal was wir taten – zum Glück, denn es war die Wilhelm Gustloff, welche später versenkt wurde. Damals fanden vermutlich mehr als 9.000 Menschen Ihren Tod.

Wir aber gingen nun zu Fuß weiter, kleinere Stücke auch mal mit dem Zug, wenn wir Glück hatten. Unsere Mutter passte auf unsere wenigen Habseligkeiten auf wie ein Luchs, denn es wurde damals viel gestohlen, selbst Kindersachen. Es kam auch vor, dass Essgeschirr über Nacht von anderen als WC missbraucht wurde.

In Güstrow fanden wir kurz Unterschlupf bei einer sehr netten Familie, deren Mann Schornsteinfeger war.

Milch holen – mein Bruder war immer etwas weiter vorn in der Reihe, so hatten wir eine Chance ggf. zwei Mal etwas zu bekommen und oftmals war bei meinem Bruder auch noch etwas Leckeres extra drin, z.B. ein kleines Stück Butter. Aber wir hatten immer Hunger, immer. Aber trotz aller Schwierigkeiten schaffte es meine Mutter immer, dass wir zumindest an Weihnachten Äpfel hatten.

Trotz einer großen Villa nahmen uns die Verwandten unseres Vaters nicht auf. Eine andere Tante hingegen nahm uns auf, trotz eigener 4 Kinder und nur noch einem „halben“ Haus, denn die andere Hälfte musste sie verkaufen.

Dann kamen die Zwangseinquartierungen und wir wurden bei Frau Käsemann untergebracht – 4 Leute in einem Zimmer auf 8m². Frau Käsemann bekam jedoch Mitleid mit uns und stellte uns ein zweites Zimmer bereit, somit hatten wir dann 2 x 8m². Mit einem klitzekleinen Haken, bei uns im Zimmer war der Wasseranschluss für alle Bewohner des Hauses. Um Chaos zu vermeiden machte meine Mutter einen Plan, wann wer Wasser holen konnte, die Eimer waren randvoll und wenn dann einer schwappte, kann man sich ausmalen, wie es aussah. Ich erinnere mich noch gut an die Oma über uns, die immer ein Sitzbad nahm.
Frau Käsemann – wir Kinder liebten sie – gab uns oft etwas Leckeres aus dem kleinen Garten. Dann, nach insgesamt 12 Jahren, bekamen wir ein paar Straßen weiter, die erste kleine Wohnung mit einem kleinen Balkon – und einer Badewanne! Mit 15 Jahren das erste mal Baden – herrlich.

Aber wir waren sehr arm, Zigeuner wurden wir genannt, waren ja keine Einheimischen und vom Hauttyp her dunkler. Als ein Mitschüler mich einmal dabei beobachtete wie ich Äpfel aufgesammelt habe die an der Allee herunter gefallen waren, wurde ich danach sehr gehänselt…

MOOAD ADLAISA (18, aus Syrien)

Seine Geschichte….

Die Verhältnisse haben sich verschlechtert in Syrien und ich habe für den Sturz des Systems demonstriert. Nach und nach hat sich Syrien in einen dunklen Wald verwandelt, voller Ungeheuer und das Morden, Bomben und Rauben hat begonnen, wo der Stärkere den Schwächeren auffrisst.

Ich war ein Schüler, mein Traum war es Bauingenieur zu werden. Ich habe das Abitur mit Bravour bestanden, doch durch den Krieg war es mir nicht mehr möglich, mich weiterzubilden. Dann haben mein Eltern beschlossen, dass ich nach Deutschland gehen soll, um dort meinen Wunsch vom Studieren zu verwirklichen. In einer Nacht in der stark bombardiert wurde, hat mich mein Vater auf die Reise begleitet Richtung Türkei. Ich habe mich dann alleine auf dem Weg zu Grenze gemacht um mich über die Grenze schleusen zu lassen. Der türkische Grenzschutz war sehr präsent und hat mich festgenommen und wieder nach Syrien geschickt. Beim zweiten Versuch habe ich es geschafft. Ich habe mich dann auf den Weg nach Izmir gemacht, um weiter zu kommen. Die Schleuser haben uns in ein Schlauchboot gesetzt, um nach Griechenland überzusetzen. Es waren sehr schlechte Wetterverhältnisse, kalt, windig und bewölkt.

Wir sind auf der Insel Isa gestrandet und ich bin meinen Weg weiter nach Athen in die Hauptstadt Griechenlands gegangen. Von dort aus weiter an die griechisch-mazedonische Grenze. Dort mussten wir 7 Stunden im Regen warten, bis wir die Grenze überqueren durften. Nach dem Grenzübertritt hat man uns in einem Viehwagen gesteckt, ohne Fenster um nach Serbien zu fahren und von dort weiter nach Ungarn. In Ungarn hatte ich groß Angst. Ich bin durch die Wälder gelaufen, bis mich jemand mit dem Auto nach Budapest mitgenommen hat. Von Budapest nach Österreich und weiter nach Deutschland wo uns in München die Polizei und Das Rote Kreutz empfangen hat. Wir wurden gut versorgt und medizinisch untersucht. Von Stuttgart hatte ich vorher gehört, angeblich sollen dort die Behörden schnell arbeiten und so die Anträge gut bearbeiten.

Nun bin ich in Ulm, ich möchte an der Universität studieren um das Beste für meine Zukunft zu erreichen. Ich möchte mich gut integrieren und die Sitten und Gebräuche des Landes achten und Syrien würdenvoll vertreten.

Bevor ich sterbe… Möchte ich meine Familie wieder sehen und meine Eltern Küssen.

Bevor ich sterbe… Möchte ich, dass die Verhältnisse sich in Syrien ändern, es wie früher wird und noch besser.

Bevor ich sterbe… Möchte ich mein Studium als Bauingenieur beenden.

Bevor ich sterbe… Möchte ich eine erfolgreiche und tolle Zukunft als Bauingenieur haben.

Bevor ich sterbe… Möchte ich all die schönen Erinnerungen und Erlebnisse die ich mit meinen Freunden, Lieben und meiner Familie hatte behalten.

Bevor ich sterbe… Möchte ich nach Syrien zurückkehren, die Erde meines Vaterlandes küssen, das Land wieder aufbauen und dass wieder Frieden herrscht im Land.

AL QAHMA MOHAMAD (Journalist / Bauunternehmer aus Syrien)

Seine Geschichte….

Before I die
… möchte ich meine Mutter sehen
… möchte ich meinen Gott zufriedenstellen
… möchte ich Syrien besser machen
… möchte ich heiraten 🙂
… möchte ich Präsident werden 🙂 🙂
… möchte ich Frieden und Liebe auf der Welt

Seine Geschichte:
Der Verlust aller Dinge, die ich besessen habe, wie Firma, Geld, Haus und Auto, war auszuhalten. Doch nach dem Verlust meiner drei Brüder und meines Vaters war der Schmerz zu groß. Es war, als wäre mein Herz mit ihnen gestorben. Ja, so war es.

Ich verließ Syrien vor sechs Jahren. Zunächst ging ich nach Jordanien. Dort blieb ich 3 Jahre und arbeitete, um ein neues Leben zu beginnen. Aber es war schwer, zu schwer. Also ging ich in den Sudan und blieb zwei Jahre dort. Ich habe als Bäcker gearbeitet, doch es war schwierig und sehr, sehr heiß. Also bin ich über Libyen, Eritrea, die Türkei und Griechenland weiter gereist und dann über die sogenannte Balkanroute endlich in Deutschland angekommen.

Ich bin sehr glücklich und freue mich, dass ich in Deutschland leben kann. Ich weiß, dass ich einen langen Weg in Deutschland vor mir habe – einen neuen und guten Weg. Ich möchte mir hier eine Zukunft aufbauen.

Ich möchte mich bei meinen Freunden Cecilia und Pablo bedanken. Und ich bedanke mich bei Deutschland und allen Deutschen.

LAIZA (aus Brasilien)

Ihre Geschichte….

Ich bin Urenkelin von deutschen Flüchtlingen in Brasilien. Deutschland war seit meiner Kindheit immer Teil meines Lebens: das Essen, die Gewohnheiten, die Sprache.

Nun bin ich nach Deutschland zurück gekehrt, um hier das Leben zu leben, welches meine Vorfahren nicht leben konnten.

Claudia (aus Brasilien)

Ihre Geschichte….

Deutsch:

Ich betrachte mich selbst als eine Pilgerin. Die meisten meiner Reisen hatten spirituelle Ziele. Eine Tattoo-Künstlerin zu sein, hat mein Leben auf Reisen viel einfacher gemacht. Vor 11 Jahren ließ ich mein Leben in Brasilien, mein Studio, mein Zuhause, meine Beziehung, meine Freunde zurück, um die Welt zu erobern. Einer der ersten Orte an die ich reiste, war Deutschland und ich verliebte mich auf den ersten Blick…

Ich denke, es war mehr ein nach Hause kommen, als wäre es Karma. Nach einigen Jahren des Reisens habe ich mich entschlossen, hier zu bleiben, und ich hatte immer das Gefühl, hier sehr willkommen zu sein! In meinem Land eckte ich öfter an.

Zum Beispiel habe ich nicht die Art von Beruf, die von der Gesellschaft akzeptiert wird, (wie z. B. Rechtsanwalt, Arzt, Ingenieur usw.). Mein Land ist ein Land, das einen Kult um den perfekten Körper macht, es gibt viele Machos, ein Land, das zunehmend von Menschen regiert wird, die ihre eigene Religion voran treiben um Gesetze zu rechtfertigen, die jedoch mehr und mehr die Rechte der Bevölkerung einschränken, an der Grenze zur Korruption.

Frauen müssen sehr feminin sein, um anerkannt zu werden, von ihren Freunden, Männern, Familien und am Arbeitsplatz. Stellen Sie sich mich vor, eine tätowierte Frau, Tätowiererin, androgen, lesbisch, kurze Haare – das passt auf jeden Fall überhaupt nicht zusammen.

Ich passe nicht in ein Land, wo es grundsätzlich akzeptiert wird, dass sich ein Hetero-Mann während des Karnevals wie eine Frau kleidet um Spaß zu haben. Dieselben Menschen jedoch das restliche Jahr über, lesbische und transsexuelle Frauen angreifen und beleidigen. In meinem Land wird alle 28 Stunden ein Mensch der Lesben-, Homosexuellen-, Bisexuellen- und Transgender-Community ermordet.

Hier in Deutschland fühle ich mich frei, zu sein wer ich bin und zu lieben wen ich will, ohne aus irgendwelchen Gründen diskriminiert zu werden.

English:

„I consider myself a pilgrim. Most of my trips have had spiritual purposes. Being a tattoo artist has made my traveling life much easier. 11 years ago I dropped my life in Brazil , my studio, my home, my relationship, my friends and went out to conquer the world.

One of the first places I went to was Germany and I fell in love at first sight … I think it was more like coming home, a karmic impression. After a few years of traveling I decided to stay here and I always felt very welcome here! In my country I do not fit in in many ways.

For example I do not have the kind of profession, which is accepted by society (lawyer, doctor, engineer etc.). My country is a country that has a cult of the perfect body, a race of machos, a country that is increasingly governed by people pushing their own religion to justify laws that take away more and more rights of the public, bordering on corruption. Women need to be extremely feminine to be approved by their boyfriends, husbands, families and their workplace. Imagine me, a tattooed woman, tattoo artist, androgen, lesbian, short hair – that is definitely a bad match.

I don’t fit into a country, where it is generally accceptable during carneval for a hetero man to have fun by dressing up like a woman, but the rest of the year, the same people assaultor insult gays and transsexual women. In my country, every 28 hours a person of the lesbian, gay, bisexual and transgender community is murdered. Here I feel free to be who I am and to love who I want to, without being discriminated for any reason.“

português:

„me considero uma peregrina. a maioria das minhas viagens tem e teve um proposito espiritual. por ser tatuadora isso facilitou muito minha vida de viajante. 11 anos atras larguei minha vida no Brasil… studio-casa-relacionamento-amigos e ganhei o mundo. um dos primeiros lugares que eu conheci foi a Alemanha e me apaixonei a primeira vista… acho que foi mais um reencontro, uma impressão karmica. depois de alguns anos viajando resolvi ficar aqui. sempre me senti muito bem vinda aqui!

no meu país não me encaixo em muitas coisas… por exemplo não ter uma profissao de destaque e aceitavel pela sociedade(advogado, medico, engenheiro etc) um pais que tem um culto ao corpo perfeito, povo machista, país que cada vez mais gorvernado por pessoas que empurram sua propria religião para justificar as leis que tiram cada vez mais os direitos do publico lgbt, alem da corrupção.

mulheres que precisam ser extremamente femininas para serem aprovadas, pelo namorado, marido, familia, trabalho. imagine,eu, uma mulher tatuada, tatuadora, androgena, lesbica, gordinha de cabelo curto. definitivamente nao me encaixo.

nao me encaixo em um pais que no carnaval é aceitavel um homem hetero se vistir de mulher e depois o mesmo agredir os gays e mulheres trans. no meu pais a cada 28 horas uma pessoa da comunidade lgbt é assassinada. aqui me sinto livre para ser quem eu sou e amar quem eu quiser, sem que eu seja discriminada por qualquer motivo.“

ERIDON (aus Albanien)

Ich bin Eridon, geboren am 27.11.1993 in Albanien.

Ich bin das erste Mal in Deutschland und seid ich hier bin, hat sich mein Leben verändert. Als ich gesehen habe, wie die Gebäude, Parkplätze und Straßen aussehen und auch die deutsche Kultur ein wenig kennenlernen durfte und welchen Respekt sie uns Albanern entgegen bringen.

Jeden Tag habe ich verschiedene Sachen gesehen und Veränderungen bemerkt. Die Menschen sind in jeder Stadt anders, ebenso wie die Gebäude, Straßen und die Traditionen.

Wenn europäische Menschen nach Albanien kommen, erwarten die Albaner diese mit der Hand auf dem Herz und mit offenen Armen und sagen „Herzlich Willkommen“ und „schaut Euch die Albanische Kultur und die Traditionen an, ebenso wie die Natur wie z. B. die Seen, das Meer, die Berge und Flüsse und all die Schönheiten, die Gott Albanien geschenkt hat“

Ich bin nach Deutschland gekommen, um hier zu bleiben, ich suche neue Freunde, damit Deutschland mich akzeptiert.

Ich liebe Euch alle – mit allem Respekt.

SUNAJ (aus Serbien)

Seine Geschichte …

Ich heiße Sunaj Salih und bin am 20.09.93 geboren.

Zuerst möchte ich mich bei Deutschland bedanken, dass es für mich und meine Familie sorgt und wir hier an einem sicheren Ort sind.

In Serbien konnten wir nicht mehr leben, unsere Nachbarn mochten uns nicht, weil wir Romas aus dem Kosovo sind. Ich weiß, dass wir Romas kein eigenes Land haben, um in Frieden zu leben.

Jetzt möchte ich Euch was über meine Ziele sagen: wenn ich in Deutschland für immer leben dürfte, würde ich gern zuerst einen Job finden und falls ich in Deutschland heiraten und Kinder bekommen könnte, könnte ich sie hier zu Schule schicken, da es hier sicher ist. Ich würde gerne ein Friseurgeschäft eröffnen, für Frauen und für Herren, da ich sehr gut Haare schneiden kann.

DANIJEL & ANTIC (aus Serbien)

Seine Geschichte …

Ich heiße Sunaj Salih und bin am 20.09.93 geboren.

Zuerst möchte ich mich bei Deutschland bedanken, dass es für mich und meine Familie sorgt und wir hier an einem sicheren Ort sind.

In Serbien konnten wir nicht mehr leben, unsere Nachbarn mochten uns nicht, weil wir Romas aus dem Kosovo sind. Ich weiß, dass wir Romas kein eigenes Land haben, um in Frieden zu leben.

Jetzt möchte ich Euch was über meine Ziele sagen: wenn ich in Deutschland für immer leben dürfte, würde ich gern zuerst einen Job finden und falls ich in Deutschland heiraten und Kinder bekommen könnte, könnte ich sie hier zu Schule schicken, da es hier sicher ist. Ich würde gerne ein Friseurgeschäft eröffnen, für Frauen und für Herren, da ich sehr gut Haare schneiden kann.

MOHAMED TAHA (aus Syrien)

Seine Geschichte….

Es gibt Leute, die ihre Heimat, in der es keine Probleme gibt, verlassen. Sie machen sich keine Sorgen und müssen keine Angst um ihre Familie haben. Und es gibt auch Leute, die verlassen ihre Heimat, welche voll von Schmerzen und Problemen sind. Wie kann man schlafen, wenn die eigene Familie Raketen und Krieg ausgesetzt ist? So ist heute meine Heimat geworden, in der ich meine schönste Zeit verlebt habe.

Ich will euch meine Geschichte erzählen. In meiner Heimat Syrien herrscht Krieg, ich habe die Bomben jeden Tag erlebt. Ich habe mich entschieden, meinen Weg weiter zu gehen, den Weg des Wissens und des Glaubens. Der einzige Weg aus den Problemen und schweren Zeiten kann nur das Lernen, das Wissen und die Kultur sein.

Ich habe meine Heimat verlassen. Ich habe einen langen und sehr schweren Weg hinter mich gebracht, bis ich in Deutschland war. Er war voller Gefahren und Schwierigkeiten. Ich habe Hindernisse überwunden, das Meer, die Berge, bin mit Zügen und Schiffen gereist, bis ich endlich Deutschland erreicht habe.

Aber meine Heimat hat mich nie verlassen. Sie ist in meinen Gedanken und meinem Herzen. Wenn ich schlafe, träume ich, dass ich in meine Heimat zurückkehre. Aber ich kann in der jetzigen Zeit nicht zurück, wegen des Krieges, den niemand verzeiht. Der Tod überschattet alles. Dort ist mein Traum gestorben. Meine Schule ist gestorben. Die Straße, der Spielplatz und die Menschlichkeit sind gestorben. Aber der Friedhof ist nicht gestorben. Er frisst alles.

Jetzt ist der Moment gekommen, wo ich das beenden will, was ich in meiner Heimat begonnen habe. Ich will in Deutschland mein Ziel erreichen. Der Weg des Wissens, der Kultur und des Lernen, weil dies die richtige Medizin für die Menschen ist.

Ich bin seit ca. 5 Monaten in Deutschland. Ich habe Schwierigkeiten, mit der neuen Situation zurechtzukommen, da sich alles in meinem Leben so schnell geändert hat. Ich bin von einer Gesellschaft zu einer anderen umgezogen. Aber ich sehe es immer von der positiven Seite und bin mir sicher, dass die Situation nicht lange so bleiben wird. Alles wird besser. Eine Schwierigkeit verfolgt mich bis jetzt, die des Heimwehs. Ich bin soweit von meiner Familie und meinen Freunden entfernt.

Meiner Meinung nach ist Deutschland in der Zukunft gut für mich und jeden, der weg von seiner Familie ist. Meiner Meinung nach kann man hier eine Arbeit finden und damit eine gutes Leben in der Zukunft erreichen. Eine Sache hat mich am meisten beeindruckt hier in Deutschland, nämlich dass die Arbeit für die Menschen sehr wichtig ist und eine große Rolle in ihrem Leben spielt. Und es gibt in Deutschland sehr schöne Plätze in der Natur gibt. Die Märkte sind wunderschön und es gibt Menschen, die auf der Straße Musik machen und singen. Das ist eine schöne und neue Sache in meinem Leben.

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die dem syrischen Volk geholfen haben.

Hassan Ibrahim (20) aus Aleppo (Syrien)

Ich war 5 als ich nach Damaskus umgezogen bin um dort zur Schule zu gehen. Nach der 9. Klasse kam ich zurück, ging in Aleppo auf das Gymnasium und machte ein hervorragendes Abitur.
Mein Studium konnte ich noch beginnen, aber die politische Lage verschlechterte sich von Tag zu Tag – ich konnte bald nicht mehr zur Universität gehen. 2 Jahre blieb ich zu Hause – die Brutalität,
das Chaos, die Intoleranz wurden immer schlimmer. Die Situation in meiner geliebten Heimat ist immer mehr zum Chaos geworden. Deswegen habe ich mich entschieden,
in ein europäisches Land zu gehen. Es war die einzige Lösung um weiter zu studieren und eine gute Zukunft zu haben.
Meine Reise war sehr schwer, ich konnte überleben oder sterben. Ich habe viel Schmerz und Leid erlebt. In die Türkei zu gelangen, hat viel Kraft und Anstrengung gekostet.
Viel schwerer war es aber von der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Wir waren 4 Stunden auf dem Meer unterwegs. Wir hatten Angst und Sorge, ob die Überfahrt gelingen würde.
Die Kinder haben geweint, es war sehr stressig. Nach 15 Tagen habe ich Deutschland erreicht und bin 3 Monate in Sigmaringen geblieben.
Dann bin ich nach Ulm gekommen, wo ich jetzt wohne. Ich möchte nur studieren und in Sicheheit leben. 

Mahmoud Homedy aus Syrien

Seine Geschichte…

Meine Geschichte beginnt zu der Zeit, als ich noch am College of Architecture studierte. Schon damals wollte ich ins Ausland reisen. Ich hoffte darauf, mein Studium abschließen und mir eine Zukunft aufbauen zu können.
Gleichzeitig bereitete mir der Wehrdienst Sorgen, der verpflichtend ist und zwei Jahre dauert. Ich fürchtete, das könnte mir die Möglichkeit verbauen, Ingenieur zu werden. Doch nach dem College wurde ich Ingenieur. Ich war sehr ambitioniert, also ging ich in den Libanon,um zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln.
Ich erwischte einen guten Start. Schon nach kurzer Zeit arbeitete ich an großen Projekten und mit sehr fähigen und erfahrenen Ingenieuren.
2011 begann die Revolution in Syrien. Damals war ich optimistisch, dass das korrupte System in meiner Heimat verändert werden könnte, so wie alle korrupten Regime in den arabischen Ländern. Jeden Tag wachte ich auf und dachte: „Vielleicht gelingt es heute.“ Aber es gelang nie. Und dann begann der Massenmord in Syrien. Die Regierung begann damit, den Aufstand niederzuschlagen, aber das war nur der Anfang. Dann mischten sich zahlreiche ausländische Interessensgruppen in Syrien ein, vor allem die libanesische Hezbollah. Und deren Aktivitäten in meinem Heimatland hatten einen Einfluss auf den Status aller im Libanon lebenden Syrer.
Das Leben im Libanon wurde gefährlich für mich, wegen meiner Einstellung zur Hezbollah und deren Eingreifen in Syrien. Ich war im Libanon und hatte keine Papiere. Also musste ich sehr viel Geld für einen Pass bezahlen.
Dann beschlossen ein Freund und ich, uns auf den Weg nach Europa zu machen. Es dauerte keinen Monat, meine Arbeit im Libanon zu beenden. Dann brachen wir auf in Richtung Türkei, nach Izmir. Dort vereinbarten wir mit jemandem unseren Transport nach Griechenland. Am angesetzten Termin fuhren wir in Privatautos zu einem Treffpunkt mitten im Wald.
Es war absolut finster und es waren eine Menge Familien dort. Auf dem Weg zum Meer erwischte uns die türkische Polizei. Wir wurden verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Nach fünf Tagen kamen wir frei und bestiegen an an einem anderen Ort ein kleines Boot.
Wir waren sehr viele auf diesem Boot, die See war rau, ein paar mal wären wir fast gekentert. Alle schrien, die Kinder weinten die ganze Zeit. Aber wir haben es bis zur Insel Mtlina geschafft.
Von dort aus ging es weiter nach Athen, dann nach Mazedonien und Serbien. Die ungarische Grenze war der härteste Teil unserer Reise. Die ungarische Armee hat uns nicht gerade gut behandelt, aber die Mitarbeiter humanitärer Organisationen haben uns da rausgeholt. Dann ging es weiter nach Österreich und von dort nach München, anschließend nach Stuttgart und am Ende nach Ulm.
Ulm ist eine wunderschöne Stadt und ich habe hier viele Freunde gefunden. Hier will ich nun meine Erinnerungen an Syrien verarbeiten.

Mohammed (aus Syrien)

Ich heisse Mohammed Al-Musseetif, bin 24 Jahre alt und komme aus Hama in Syrien.

Ich habe meine Ausbildung beim Agriculture Technical Institute (Landwirtschaftliches/Technisches Institut) in Homs absolviert und habe als Tischler im Libanon gearbeitet.
Die syrische Revolution begann anfangs als eine friedliche Revolution, mit dem Streben nach Reformen und einer Verbesserung der Lebenssituationen in Syrien. Aber es dauerte nicht lange, bis sich diese in einen Krieg verwandelte, der alles zerstört, was ihm im Weg steht. Und alles wurde noch schlimmer in Syrien, als man alle Sicherheiten verlor, die Häuser ruiniert, Kinder getötet wurden und die „sexuelle Privatsphäre“ verletzt wurde.Die Menschen fliehen vor dem Krieg an einen sichereren Ort, auch wenn diese Sicherheit nur vorübergehend ist. Nach kurzer Überlegung und Reisevorbereitungen, beschloss ich nach Deutschland zu gehen und mein Heimatland zu verlassen. Ich lebte mit den Zeichen des Todes, obwohl ich am Leben war.Als ich unser Haus verließ, stiegen mir die Tränen in die Augen, mein kleiner Bruder folgte mir weinend, mein Vater sah mich an, als würde ich niemals zu ihm zurück kehren und meine Mutter versuchte ihre Tränen in meiner Gegenwart zurück zu halten, damit ich nicht weinen musste.Die Reise begann als ich an der türkischen Grenze angekommen war. Dies war der Beginn der Suche nach Zuflucht. Nachdem wir die türkische Grenze überschritten hatten, buchten wir die Reise nach Izmir – dem „Grenzübergang“ nach Griechenland. Nach mehreren missglückten Versuchen, gelang es uns mit viel Glück und wir kamen sicher an.Wir nahmen ein Boot nach Thessaloniki, um an die mazedonische Grenze zu gelangen. Nachdem wir Mazedonien erreicht hatten, wurden wir von der dortigen Polizei geschlagen und behandelt, als wären wir eine Herde Rindern, die sie von einer Stelle zur nächsten trieben. Nachdem wir Busse bekamen, erreichten wir Serbien, dann die Hauptstadt Belgrad, wo die Suche nach einem Schlafplatz begann. Da wir keinen fanden, haben wir in einem Park geschlafen, es war so kalt, dass wir fast starben. Danach nahmen wir die Busse nach Ungarn und liefen eine lange Strecke entlang der berühmten Eisenbahnstrecke, die jeder Flüchtling gegangen ist. Wir hatten alle große Angst, dass die ungarische Polizei uns festnehmen könnte und somit unsere Fingerabdrücke in Ungarn registriert werden würden. Nachdem uns ein Auto mitgenommen hatte,erreichten wir Budapest. Von hier aus nahmen wir den direkten Weg nach München in Deutschland. Der Empfang war überraschend für uns, anders als in den Ländern die wir zuvor durchquerten.Die Großzügigkeit war den Deutschen offensichtlich ins Gesicht geschrieben. Nach all dem Leiden spürten wir das erste Mal Erleichterung und Freude in unseren Herzen. In Hamburg haben wir 15 Tage im Lager Horst gelebt, dann wurden wir für zwei Monate Hannover zugeteilt. Danach beschlossen wir nach Stuttgart zu gehen, wo wir für 15 Tage blieben. Von dort aus wurde uns eine Sporthalle in Ulm zugewiesen, wo wir vier Monate lebten. Als letztes wurde uns eine Wohnung mit zwei Zimmern für acht Personen gegeben – und hier sind wir bis heute…

Bevor ich sterbe … wünsche ich mir, dass mein Heimatland frei ist.
Bevor ich sterbe … wünsche ich mir, dass das Morden in Syrien und in den anderen arabischen Ländern aufhört.
Bevor ich sterbe … wünsche ich mir, dass die Leute die Syrer nicht Flüchtlinge nennen, sondern Syrer ohne Adresse.
Bevor ich sterbe … wünsche ich mir, in mein Heimatland und zu meiner Familie zurückzukehren.
Bevor ich sterbe … wünsche ich mir, meine Träume zu verwirklichen, die durch den Krieg fast alle verschwunden sind.
Bevor ich sterbe …wünsche ich mir für Syrien, dass es wieder so wird wie früher und besser.

Hazrat Bilal aus Afghanistan

Wir möchten Euch heute gern die Geschichte von Hazrat Bilal aus Afghanistan erzählen. Er ist ebenfalls Teil des Projektes „Before I die“ – wir möchten Danke sagen an ihn, sowie die Mithilfe von dem Moving Rhizomes, sowie dem Verein Menschlichkeit und allen uns immer wieder helfen, auch wenn es um Übersetzungen geht…. special thanx to Vera!

Mein Name ist Hazrat Bilal, und der Name meines Vaters ist Muhammad Rasool. Ich bin aus Afghanistan.
Wir waren vier Brüder zu Hause, ein älterer und 2 jüngere. Mein älterer Bruder und mein Onkel waren in der Armee.
Eines Tages hatte mein Bruder Urlaub und kam nach Hause. In einer Nacht kam die Taliban in unser Haus – jemand hatte ihnen verraten,
wo mein Bruder war. Sie wollten meinen Bruder töten. Sie haben ihn grausam ermordet.
Ich war in dieser Nacht nicht zu Hause. Und sie wollte auch mich töten, denn ich hatte schon einmal mit ihnen wegen meiner Brüder gekämpft.
Damals schnitt einer von ihnen mir mit einem Messer den kleinen Finger ab, so wie auch meinem Bruder.
Als ich erfuhr, dass sie meinen Bruder getötet hatten, wusste ich, dass sie mich ebenfalls umbringen würden. Meine Familie sagte mir,
dass ich nicht nach Hause kommen sollte. Ich war bei meinen Studienfreunden, und sie brachten mich in Sicherheit. Danach verkauften mein Vater
und mein Onkel all unser Land, denn wir hatten nicht genug Geld für meine Flucht. Sie verkauften also unser Land
und schickten mich mit diesem Geld nach Deutschland. Nun möchte ich mir hier ein Leben und eine gute Zukunft aufbauen.
Das Gleiche wünsche mir auch für meine Brüder.

Ayori aus Tunesien Was ist ihre Geschichte? Ihr erfahrt sie in den nächsten Wochen hier!

Ali aus Pakistan Was ist seine Geschichte? Ihr erfahrt sie in den nächsten Wochen hier!

Amza aus Mazedonien Was ist seine Geschichte? Ihr erfahrt sie in den nächsten Wochen hier!

Taijfur aus Mazedonien Was ist seine Geschichte? Ihr erfahrt sie in den nächsten Wochen hier!

Ersan aus Mazedonien Was ist seine Geschichte? Ihr erfahrt sie in den nächsten Wochen hier!

Kooperationen

Flüchtlingssozialarbeit

Flucht und Vertreibung sind beständige Themen der Menschheitsgeschichte, Hilfe und Unterstützung für Menschen in Not sind originäre Aufgaben von Diakonie und Kirche. Deshalb sehen wir unseren diakonischen Auftrag auch im Beistand für geflüchtete Menschen. Ulm ist eine Internationale Stadt und verbindet dies mit dem Anspruch, sich Menschen fremder Herkunft offen zu zeigen und sie willkommen zu heißen. Hierzu wollen wie einen Beitrag leisten. Der Fachbereich Flüchtlingssozialarbeit der Diakonischen Bezirksstelle Ulm ist im Auftrag der Stadt Ulm für die Sozialberatung von Menschen im Asylverfahren zuständig. Tätig sind wir im Sozialraum West und in Kooperation mit der Caritas Ulm im Sozialraum Eselsberg/Ulmer Norden. Unsere Arbeit umfasst die psychosoziale, sozialrechtliche und alltagsrelevante Beratung von geflüchteten Menschen. Beispielsweise unterstützen wir bei der Einschulung von Kindern, informieren über die neue Umgebung oder geben Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen. Zu unseren Aufgaben gehören auch der Aufbau und die Pflege von Netzwerken in der kommunalen Flüchtlingssozialarbeit. Wir planen und koordinieren Projekte innerhalb des Diakonieverbandes und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Neben den hauptamtlichen Strukturen der Flüchtlingssozialarbeit hat bürgerschaftliches Engagement eine wichtige Funktion für geflüchtete Menschen. Wir unterstützen ehrenamtliches Engagement im Sozialraum und akquirieren und begleiten die ehrenamtlich Tätigen in ihrem jeweiligen Einsatzbereich.

Menschlichkeit-Ulm e.V.

Menschlichkeit-Ulm e.V. ist ein eingetragener gemeinnütziger, mildtätiger und überparteilicher Verein mit dem Sitz in Ulm. Die Ziele des Vereins sind die Förderung der Hilfe für politisch, ethnisch oder religiös Verfolgte sowie Hilfe für Flüchtlinge, die Förderung des Völkerverständigungsgedankens sowie mildtätige Zwecke. Die Lebensbedingungen für Asylbewerber/innen und Flüchtlinge sollen verbessert und die Aufklärung der Bevölkerung über Fluchtgründe, die Situation in den Herkunftsländern sowie über die Lebenssituation von Flüchtlingen hier in Deutschland betrieben werden. Es werden Kontakte zwischen der deutschen und ausländischen Bevölkerung durch gemeinsame Veranstaltungen hergestellt und praktische Unterstützung von Flüchtlingen regional und überregional geleistet. Zum einen hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, die Erstaufnahme der Flüchtlinge praktisch zu unterstützen. Dabei wurde bis jetzt sowohl beim Aufbau als auch bei der Einkleidung und Begleitung von Flüchtlingen in verschiedenen Flüchtlingsaufnahmestellen mitgearbeitet. Zudem wird versucht, aktiv die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern, indem beispielsweise warme Kleidung für den kommenden Winter oder andere Sachspenden organisiert und verteilt werden. Dies geschieht im Austausch mit der Diakonie Ulm, um unnötigen Müll zu vermeiden. Für weiterreisende Flüchtlinge wurden von Ikea gefüllte Rucksäcke bereitgestellt, die an Flüchtlinge verteilt werden, die noch größere Reisen vor sich haben. Für neu eingeschulte Flüchtlingskinder wurde ein Spendenaufruf gestartet und es konnten 30 Schultüten und Schulranzen bereitgestellt werden. Zum anderen möchte der Verein Integration vorantreiben und versuchen Kontakt zu Ulmer Bürgern herzustellen, um Angst und Misstrauen in der deutschen Bevölkerung zu reduzieren und den Flüchtlingen eine Möglichkeit zu bieten, die deutsche Sprache und Kultur zu erlenen. Diesbezüglich nahm der Verein Kontakte zu Ulmer Sportvereinen auf. Daraus entstand ein wöchentliches Fußballtraining beim SSV Ulm für junge Flüchtlingsmänner, die von Ehrenamtlichen von Menschlichkeit-Ulm begleitet werden. Zudem wird der Verein mit Flüchtlingen regelmäßig zu den Handballspielen des TSG Söflingen eingeladen. Zum Zwecke der Kulturenbegegnung wurde ein Sommerfest für Ulmer Bürger und Flüchtlinge organisiert. Zudem wurden bereits Mal- und Bastelvormittage mit Kindern durchgeführt. Diese möchte der Verein nun auf regelmäßigerer Basis einbauen und auch Möglichkeiten für Hausaufgabenbetreuung, gemeinsames Kochen und Backen eröffnen. Außerdem sind Musik – und Tanzprojekte geplant.

Moving Rhizomes / Projekt: Before I die

Worum geht es in diesem Projekt? "Before I die" ist eine Performance mit Tanz, Visuals und Musik, die am 21., 22. und 23. Juli 2016 im Standthaus in Ulm aufgeführt werden wird. Tänzer, Sound- und Visual Artists werden dieses Event gemeinsam mit Flüchtlingen aus verschiedenden Teilen der Welt gestalten. Die Umsetzung dieses Projekts verlang nach ausgiebiger Recherche in den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften. Es gibt gemeinsame Workshops, in denen eine gemeinsame Sprache erarbeitet wird und bei denen wir mit Flüchtlingen in Kontakt kommen, die am Ende aktiv am Projekt mitwirken. Die Einnahmen aus dem Ticketkverkauf bei den Aufführungen werden zu 100% an Flüchtlingsinitiativen gespendet. Wer oder was ist Moving Rhizomes? "Wir sind eine Gruppe bestehend aus Künstlern, Tänzern und Designern die sich zusammen geschlossen haben, um interdisziplinäre Performances und Installationen umzusetzen. Es geht uns dabei nicht allein um die Präsentation künstlerischer Ideen und Konzepte, wir wollen auch unsere Umwelt positiv beeinflussen und Veränderungen initiieren. Dass viele von uns aus dem bereichen Tanz und Design kommen beeinflusst natürlich unsere Projekte, aber wir sind grundsätzlich offen für jede Form der Ausdrucksweise. Startpunkt für unsere Projekte sind meist Themen, die wir mit anderen teilen, oder die wir mit den Menschen aus unserem Umfeld gemeinsam bearbeiten wollen. Wir laden alle dazu ein, uns eigene Projektideen vorzustellen." Was sind die Ziele von Moving Rhizomes? "Wir wollen unsere Empathie für die Situation der Flüchtlinge in Deutschland verstärken und in Gang bringen. Wir wollen deutlich machen, dass jeder Mensch das Recht hat, nach einer besseren Zukunft zu streben. Wir wollen andere zu aktiver Beteiligung ermutigen, um durch gemeinsame Aktionen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Wir wollen zeigen, dass Diversität eines der wichtigsten Reichtümer im Leben eines Menschen sein kann. Wir wollen Geldmittel sammeln und spenden, um über die Performance hinaus weiter an diesen Zielen zu arbeiten."