Wort zum Sonntag
Ich hatte eigentlich vor, diese Woche über etwas anderes zu schreiben.
Irgendetwas Leichteres.
Irgendetwas, das nicht so schwer auf der Brust liegt.
Aber manchmal sucht man sich die Themen nicht aus.
Manchmal sind sie einfach da – und lassen einen nicht.
In meinem Kopf ist es gerade laut.
Nicht laut im Sinne von vielen Gedanken, die man greifen kann.
Eher dieses ständige Kreisen.
Ein Gedanke, der den nächsten jagt, ohne irgendwo anzukommen.
Gesundheitliche Fragen, die sich hier und da klären aber nicht unbedingt Erleichterung bringen, sondern viel mehr Angst vor dem, was da auf mich zukommt.
Termine, die vor mir liegen.
Ergebnisse, auf die ich warten muss.
Entscheidungen, die andere treffen.
Und ich sitze irgendwo dazwischen.
In diesem Warten.
In diesem Nicht-Wissen.
In diesem Gefühl, dass man eigentlich gern etwas tun würde – aber es gerade nichts gibt, was man tun kann.
Und gleichzeitig läuft das Leben einfach weiter.
Man kann nicht auf Pause drücken.
Sich nicht irgendwo verkriechen und sagen: „Ich melde mich wieder, wenn alles geklärt ist.“
Man funktioniert.
Im Alltag.
In Gesprächen.
In Momenten, in denen man eigentlich gar nicht wirklich da ist.
Es gibt Menschen, die da sind.
Die nachfragen.
Die Hilfe anbieten.
Und das meine ich wirklich so: Das ist nicht selbstverständlich.
Aber am Abend, wenn alles ruhiger wird, wenn der Tag langsam leiser wird –
dann kommen die Gedanken.
Dann ist da niemand mehr, der sie kurz unterbricht.
Kein Gespräch, kein Ablenken, kein „ich kümmere mich mal kurz um etwas anderes“.
Dann bin ich allein mit allem, was sich tagsüber vielleicht noch irgendwie sortieren ließ – oder zumindest leiser war.
Und dann wird es schwer.
Nicht, weil alles hoffnungslos ist.
Sondern weil einfach zu viel gleichzeitig da ist.
Und als wäre das nicht schon genug, kommt noch etwas dazu.
Ich muss meine Wohnung verlassen.
Ich verstehe die Gründe.
Es ist Eigenbedarf.
Ich mache niemandem Vorwürfe.
Und trotzdem verliere ich damit etwas.
Nicht einfach nur vier Wände.
Sondern meinen Ort.
Meine Konstante.
Vielleicht sogar den einzigen Ort in den letzten dreißig Jahren, den ich wirklich als mein Zuhause bezeichnet habe.
Ein Ort, an dem ich angekommen bin.
An dem ich mich sicher gefühlt habe.
An dem alles seinen Platz hatte – auch ich.
Und plötzlich steht genau das nicht mehr fest.
Es ist dieses Gefühl, dass gerade mehrere Dinge gleichzeitig ins Wanken geraten.
Dass nichts mehr so stabil ist, wie es sich noch vor kurzer Zeit angefühlt hat.
Und ich merke, wie sehr ich eigentlich jemand bin, der gern einen Plan hat.
Der gern weiß, wie es weitergeht.
Der sich orientieren kann.
Aber gerade gibt es keinen Plan.
Nur ein Dazwischen.
Ein Warten.
Ein Aushalten.
Ein Hoffen, dass sich Dinge klären.
Dass Entscheidungen fallen.
Dass Antworten kommen.
Und bis dahin bleibt eigentlich nur eines:
Da zu sein.
Mit all dem, was gerade ist.
Mit den Gedanken, die kommen.
Mit den Momenten, die schwer sind.
Und mit denen, die zwischendurch auch einfach nur still sind.
Und vielleicht ist genau das im Moment die größte Leistung:
weiterzugehen, obwohl nichts klar ist – und trotzdem nicht stehen zu bleiben.