Über Gedanken, die bleiben
Es gibt Gedanken, die entstehen zwischen Tür und Angel.
Und es gibt Gedanken, die bleiben.
Gedanken, die sich an einem Sonntagmorgen besonders laut melden – wenn die Welt etwas langsamer ist, der Kaffee noch warm und die Woche noch nicht begonnen hat.
Genau für diese Gedanken soll hier ein Platz entstehen.
Mit „Wort am Sonntag“ möchte ich eine kleine Reihe beginnen. Keine Predigt, kein erhobener Zeigefinger. Eher ein kurzer Moment zum Innehalten. Ein paar Zeilen über Dinge, die uns bewegen, beschäftigen oder manchmal auch überfordern.
Es wird um vieles gehen können.
Um Reisen – nicht nur in die Welt, sondern auch nach innen.
Um Begegnungen mit Menschen.
Um Zweifel, Entscheidungen und das Gefühl, manchmal nicht genau zu wissen, wohin der Weg führt.
Vielleicht auch um Dinge, über die man sonst nicht so leicht spricht.
Manche Texte werden leicht sein, andere vielleicht nachdenklicher.
Manche entstehen aus Momenten unterwegs irgendwo auf der Welt.
Andere entstehen ganz still zu Hause.
„Wort am Sonntag“ soll kein festes Format mit festen Regeln sein.
Nur ein wiederkehrender Moment, um Gedanken zu teilen.
Und vielleicht findet sich der eine oder andere Leser darin wieder.

Wenn der Körper plötzlich mitredet
Heute möchte ich über etwas sprechen, das viele Menschen kennen – und über das trotzdem erstaunlich oft wenig gesprochen wird: Krankheit.
Nicht nur die Krankheit selbst.
Sondern das, was sie mit uns macht.
Denn Krankheiten sind selten nur medizinisch.
Sie verändern Pläne.
Sie verändern Perspektiven.
Und manchmal verändern sie auch, wie wir auf unser eigenes Leben schauen.
Man beginnt plötzlich Dinge anders zu bewerten.
Was vorher selbstverständlich war, wird kostbar.
Was vorher wichtig erschien, verliert an Bedeutung.
Krankheit kann Kraft kosten. Viel Kraft.
Sie kann Angst machen, verunsichern und manchmal auch das Gefühl geben, die Kontrolle zu verlieren.
Aber sie kann auch etwas anderes tun.
Sie kann den Blick schärfen.
Für das, was wirklich zählt.
Für Menschen, die bleiben.
Für Momente, die man früher vielleicht übersehen hätte.
Auch ich habe in letzter Zeit gemerkt, wie sehr der eigene Körper plötzlich zum Thema werden kann.
Wie schnell sich Gedanken verändern, wenn Untersuchungen anstehen oder man auf Ergebnisse wartet.
Es ist eine merkwürdige Mischung aus Geduld, Hoffnung und manchmal auch Zweifel.
Und vielleicht ist genau das ein Grund, warum diese neue Reihe heute beginnt.
Weil das Leben nicht nur aus den großen Reisen besteht, über die ich hier oft schreibe.
Manchmal besteht es auch aus dem Dazwischen.
Aus Fragen.
Aus Unsicherheiten.
Und aus dem Versuch, trotzdem ruhig weiterzugehen.
Vielleicht ist genau dafür ein Sonntag da.
Zum Nachdenken.
Zum Durchatmen.
Und manchmal einfach für ein paar ehrliche Worte.
Mein Leben mit Krankheit
Ich lebe seit vielen Jahren mit chronischen Krankheiten.
Krankheiten, die nicht heilbar sind – mit denen man aber, bei guter medikamentöser Einstellung, durchaus ein gutes Leben führen kann.
Schmerzpatient bin ich eigentlich schon seit meiner Jugend.
Die Diagnose Morbus Bechterew bekam ich allerdings erst mit 35.
Viele Jahre lagen dazwischen.
Viele Jahre mit Schmerzen, mit Zweifeln, mit Arztbesuchen.
Mit Untersuchungen, die nichts fanden.
Mit Momenten, in denen man sich fragt, ob man sich vielleicht alles nur einbildet – weil andere es nicht erklären können.
Und leider auch mit dem Gefühl, manchmal nicht ganz ernst genommen zu werden.
Diese Zeit war schwer.
Mit den Jahren kamen noch andere Dinge dazu.
Psoriasis.
Diabetes Typ II.
Wenn ich das so aufzähle, klingt es nach einer ziemlich langen Liste.
Trotzdem versuche ich, den Krankheiten keinen zu großen Platz in meinem Leben zu geben.
Natürlich gehören sie zu meinem Alltag.
Ich nehme jeden Morgen und jeden Abend Tabletten.
Und ich spritze mir regelmäßig Medikamente selbst.
Am Anfang hat mich das Überwindung gekostet.
Heute ist es einfach Routine.
Ich komme mit all dem gut zurecht.
Auch wenn ich hier und da ein kleines bisschen eingeschränkt bin oder mein Leben in manchen Momenten danach ausrichten muss.
Ich versuche, die Dinge positiv zu sehen.
Vielleicht auch, weil mir bewusst ist, dass ich in Deutschland lebe.
Mit Zugang zu guten Ärzten, zu moderner Medizin und zu Medikamenten, die oft unglaublich teuer sind.
Dieses Glück hat nicht jeder.
Trotzdem gibt es Momente, in denen selbst meine positiven Gedanken einen kleinen Dämpfer bekommen.
Seit mindestens genauso vielen Jahren habe ich Probleme mit meinem rechten Auge.
Gutartige Tumore – oder besser gesagt Raumforderungen in der Augenhöhle – mussten schon mehrfach entfernt werden.
Mit jeder Operation wurden sie größer und komplizierter.
Bei der letzten Operation, vor inzwischen zwölf Jahren, wurde mir unter anderem die Tränendrüse entfernt.
Dabei wurde versehentlich ein Band meines Augenlids durchtrennt.
Zusätzlich musste seitlich am Auge ein Stück Knochen entfernt werden, der später mit Schrauben wieder eingesetzt wurde.
Wenn ich das so schreibe, klingt es selbst für mich manchmal noch ein bisschen unwirklich.
Zwölf Jahre ist diese Operation inzwischen her.
Doch in den letzten ein bis zwei Jahren habe ich wieder zunehmend Schwierigkeiten.
Mein Sehen hat sich verändert.
Ich habe Druckgefühle im Auge.
Ich war bereits in der Augenklinik.
Und nächste Woche habe ich einen MRT-Termin.
Und ja – ich habe Angst.
Ich mache mir Gedanken, ob wieder etwas gewachsen ist.
Was man vielleicht finden wird.
Und was dann passieren könnte.
Trotzdem versuche ich, positiv zu bleiben.
Ich hoffe, dass man mir helfen kann und dass sich die Beschwerden lindern lassen.
Gerade in solchen Momenten werden zwei Dinge besonders groß:
Demut.
Und Dankbarkeit.
Trotz aller Angst.
Bis nächsten Sonntag.
Passt gut auf euch auf.
Sehr schön geschrieben 😉….. auch wenn heute erst..und da bin ich mega froh…SAMSTAG ist 😂
Das ist richtig, ich gestehe ich könnte nicht mehr bis morgen warten 😊 zukünftig wird es aber Sonntags veröffentlicht. Versprochen 🙃