Manchmal merkt man es ja nicht sofort.
Aber irgendwann gegen Ende des Jahres wird die Luft dünn. Zu viele Gedanken. Zu viel Alltag. Zu wenig Raum.
Und dann sitzt man mitten in der Nacht da, schaut ins Dunkle – und trifft eine Entscheidung.
Am nächsten Tag bin ich ins Reisebüro gegangen. Einfach so.
Zwei Wochen später, am ersten Weihnachtsfeiertag, saß ich im Flieger nach Gran Canaria.
Eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.
Weihnachten in T-Shirt
Während zu Hause vermutlich Kerzen angezündet und Mäntel enger gezogen wurden, stand ich in kurzen Hosen am Hafen. Blauer Himmel. Salzige Luft. 20 Grad. Ein Lächeln, das sich nicht mehr wegdiskutieren ließ.
Mit der AIDA Cruises ging es auf die Kanaren – inklusive Madeira.
Meine erste Kreuzfahrt.
Und ich wusste nicht so recht, was mich erwartet.
Jeden Morgen ein neues Stück Welt
Die Kanaren sind ja nicht einfach nur „Inseln“.
Jede hat ihren eigenen Charakter.
Teneriffa mit dem mächtigen Teide, dieser fast mondähnlichen Landschaft oben im Nationalpark.
Lanzarote – schwarz, vulkanisch, surreal.
Fuerteventura – endlose Strände und dieses weite, ruhige Licht.
Und dann Madeira – grün, dramatisch, mit steilen Küsten und dieser besonderen Mischung aus Eleganz und Naturgewalt.
Jeden Morgen aufzuwachen, die Kabinentür zu öffnen und eine andere Insel vor sich zu haben – das hat etwas. Kein Kofferpacken. Kein Hotelwechsel. Und trotzdem Bewegung.
Es ist eine besondere Art zu reisen.
Sanft. Fließend. Fast mühelos.
Das Schiff als kleiner Kosmos
Das Schiff selbst war wie eine eigene kleine Welt. Tolles Essen, das nicht nach Kantine schmeckte, sondern nach „Ich nehme noch einen Teller, obwohl ich keinen Hunger mehr habe“. Shows am Abend, die überraschend hochwertig waren. Bars, in denen man einfach sitzen konnte, ohne auf die Uhr zu schauen.
Und immer dieses Meer.
Man steht an der Reling, schaut in die Dunkelheit oder in den Sonnenuntergang – und plötzlich wird alles leiser im Kopf.
Silvester unter Palmen
Silvester auf dem Schiff war anders. Kein kaltes Warten auf Mitternacht. Keine dicken Jacken. Kein frierendes Anstoßen.
Stattdessen: milde Luft. Musik. Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen dort waren – und doch alle dasselbe wollten: gut ins neue Jahr starten.
Als um Mitternacht das Feuerwerk über dem Hafen von Funchal auf Madeira den Himmel erleuchtete, war das ein Moment.
Ein Jahreswechsel ohne Schnee.
Ohne Grau.
Mit Meer, Wärme und diesem Gefühl von Weite.
Es fühlte sich nicht nach Flucht an.
Es fühlte sich nach Neustart an.
Eine Pause vom Winter
Was diese Reise für mich so besonders gemacht hat, war nicht nur die Sonne. Es war die Pause. Vom Winter. Vom Jahresenddruck. Von diesem Gefühl, dass alles noch „fertig“ werden muss.
Stattdessen: Bewegung. Licht. Salz auf der Haut.
Zwei Wochen nach einer spontanen Nachtentscheidung stand ich auf einem Schiff im Atlantik und wusste: Manchmal muss man einfach gehen. Ohne alles durchzuplanen. Ohne sich selbst zu bremsen.
Diese Kreuzfahrt war mehr als Urlaub.
Sie war ein tiefes Ein- und Ausatmen.
Und ich würde es wieder tun.
Ohne zu zögern.






















