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USA TEIL 3

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Place to stay …

USA – Teil 3

Wohnungssuche – oder: Wie man mit 46 Seiten Mietvertrag erwachsen wird

Gleich vorab: Auch hier gilt – das sind meine Gedanken und meine Erfahrungen. Andere sehen das vielleicht anders.

Das Thema Wohnungssuche.
Tja. Auch hier gab es ein paar Dinge, die ich so nicht kannte.

Zu Beginn musste ich mir darüber keine großen Gedanken machen. Für meine erste „Austauschzeit“ wohnte ich in einem AirBnB. Das war in Ordnung. Meine Vermieter waren nett. Aber mit der Entscheidung zu verlängern war für mich klar: Ich bleibe dort nicht.

Nicht wegen der Menschen. Sondern wegen der Gegend.

Und da sind wir direkt beim ersten Kriterium: Lage.

Ich hätte mich dort nach Sonnenuntergang nicht unbedingt wohlgefühlt, allein spazieren zu gehen. Warum genau, kann ich nicht einmal sagen. Es war ein Gefühl. Und dieses Gefühl wurde nicht besser, als mein Vermieter irgendwann sagte, ich solle ihm bitte schreiben, wenn wir spät zurückkämen – nicht, dass er uns für Einbrecher hält und mit dem Gewehr vor der Tür steht.

Ich bin ziemlich sicher: Das war kein Witz.

Also war klar: Neue Gegend. Neuer Standort.

Zwei Kriterien waren mir wichtig:

  1. Näher an der Arbeit.

  2. Näher an Atlanta.

Kennesaw liegt nördlich von Atlanta. Mein erstes Zuhause lag westlich davon. Also suchte ich etwas dazwischen. Ein Blick auf die Karte – und Marietta war schnell gesetzt.

Dann kam Punkt zwei: Sicherheit.

Hier gibt es sogenannte „Neighborhood Watch“-Seiten. Dort kann man sehen, wer in der Nachbarschaft wohnt. Ja, wirklich. Mit Registrierung sieht man verschiedenfarbige Punkte auf der Karte – je nach Delikt. Teilweise sogar mit Namen und Foto.

In Deutschland undenkbar. Hier scheint man mit einer Straftat bestimmte Datenschutzrechte verloren zu haben.

Man kann darüber streiten, ob das richtig ist.
Aber ich gebe zu: Ich habe reingeschaut.


Apartmentanlagen – kleine Dörfer für sich

Wer hier kein Haus sucht, landet fast zwangsläufig in einer Apartmentanlage. Und das sind keine kleinen Häuserblöcke, sondern oft komplette Wohnanlagen mit:

  • bewachtem Tor

  • Leasingbüro (7 Tage geöffnet)

  • Pool

  • Fitnessstudio

  • Grillplätzen

  • Spielplätzen

  • Car Care Center

  • Office-Räumen mit Computern

Im Grunde kleine Dörfer.

Ich begann meine Suche noch vor meinem Rückflug nach Deutschland. Hier läuft das anders: Man geht einfach in die Anlage, lässt sich herumführen und vergleicht.

Und vergleichen sollte man.

Die größte Erkenntnis für mich:
Wenn die Außenanlage ungepflegt ist – lauf.
Müll, schmutzige Ecken, liebloser Eindruck? Nächste Anlage.

Was mir ebenfalls Bauchschmerzen machte: sogenannte Showrooms. Man bekommt eine Musterwohnung gezeigt – aber nicht die tatsächliche, die man mietet. Und ich hatte mehrfach gelesen, dass Realität und Muster nicht viel gemeinsam haben.

Kurz vor meiner Rückreise hatte ich nur Showrooms gesehen. Das verunsicherte mich.


Der Treffer

Als ich zurückkam, arbeitete ich meine Liste weiter ab.
In einer Anlage passierte etwas Neues: Man zeigte mir zwei echte, verfügbare Wohnungen.

Keine Showrooms.

Die erste war größer, günstiger, hatte einen Kamin – aber überall Teppich. Außer im Bad.

Teppich. Überall.

Viele amerikanische Apartments haben das. Ich wollte das nicht.

Die zweite war etwas kleiner, Erdgeschoss, offene Küche – und bis auf das Schlafzimmer Hardfloor. Deal.

Ich wollte diese Wohnung.

Was ich unterschätzt hatte: Der Weg dorthin.


46 Seiten später

Ich verbrachte Stunden im Leasingbüro.
Der Mietvertrag hatte 46 Seiten.

Problem: Ich hatte noch keine SSN, keinen Kreditscore, keine amerikanische Historie. Dank einer unglaublich engagierten Mitarbeiterin schafften wir es trotzdem, dass ich akzeptiert wurde.

Dann kam das Angebot:
Wenn ich am nächsten Tag einziehe, bekomme ich einen besseren Mietpreis und spare Gebühren.

Wie bitte?

Hier ist das offenbar üblich: Schnell entscheiden, Vorteil sichern.

Ich sagte zu.


Was man braucht, bevor man einziehen darf

  • Mieterversicherung (Begünstigter: die Apartmentanlage)

  • Strom

  • Gas

Und ohne Kreditscore?
Zahlen.

  • Versicherung: Jahresbeitrag im Voraus.

  • Gas: Security Fee.

  • Strom: ebenfalls Sicherheitszahlung (200 Dollar).

Diese Beträge werden übrigens nicht automatisch verrechnet, wie ich naiv dachte.

Am Abend verließ ich um 18:30 Uhr das Büro mit dem Wissen:
Morgen um 10 ziehe ich ein.

Ich regelte morgens noch schnell den Strom – bar Sicherheitsleistung – und hatte vor Mittag die Schlüssel.

Von einem Tag auf den anderen.
In weniger als 24 Stunden.

Verrückt. Schnell. Unkompliziert – wenn man Hilfe hat.


Einzug

Am selben Tag kaufte ich ein Bett. Lieferung am Abend.
Klößchen und meine sieben Sachen kamen dazu.

Ja, Klößchen kostet hier extra.
Haustiere zahlen Miete. Plus 400 Dollar „Pet Fee“ – nicht rückerstattbar.

Willkommen in Amerika.

Ich wollte es schlicht halten:

  • Bett

  • Sofa

  • Couchtisch

  • Katzenbaum

  • kleiner Schrank

  • zwei Barhocker

Kein Fernseher. Stattdessen Beamer.
Kein Kleiderschrank – dafür begehbarer Closet.
Küche war ausgestattet.

Minimalismus war hier plötzlich einfach.


Jetzt sitze ich hier.
Und alles fühlt sich ein Stück weniger neu an.

Die Verträge laufen hier übrigens maximal zwölf Monate. Danach wird neu verhandelt – meist teurer.

Aber das ist ein Problem für später.

Für jetzt gilt:
Wir sind angekommen.

Habt einen guten Wochenstart.

Passt gut auf euch auf.
Sandra

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