USA TEIL 5

Wo Sonne scheint, muss auch Schatten sein...

Jupp, so oder so ähnlich kann man es wunderbar zusammen fassen. Heute mal kein normaler Bericht dazu, wie man hier eine Wohnung findet, Einkaufen geht oder was auch immer. Denn was man gern vergisst bei all dem, dass man nicht nur sein Leben an sich, an einen völlig anderen Ort verlegt, sondern dass man ein Stück weit sein altes Leben aufgibt. Ich will gar nicht jammern, denn ich war mir dessen erschreckenderweise vollkommen bewusst, dennoch finde ich, dass es wichtig ist auch diese Seite nicht unerwähnt zu lassen. Ich bin kein Austauschschüler in irgendeinem Programm, der am Wochenende mit anderen seiner Gruppe abhängt, ich bin auch in keine Beziehung, so dass auch am Abend kein Partner auf mich wartet, sprich letztendlich muss man eins können, allein sein.

Ich bin der Meinung, dass ich das relativ gut kann. Aber eben auch nicht immer. Ich verfalle nicht gleich in eine Krise, aber manchmal habe auch ich einen Anflug von Lustlosigkeit am Wochenende wieder allein los zu ziehen, allein einkaufen zu gehen, allein zu kochen, allein zu essen, allein in ein Museum zu latschen, allein, allein, allein...

Klar gibt es Dinge, die machen mehr Spaß, wenn man sie gemeinsam tut, es gibt auch Dinge, die ich auf keinen Fall allein tun will. Ich finde nichts schrecklicher, als allein Essen zu gehen in einem Restaurant. Oder allein in eine Bar, oder einen Club? Never! Aber wo lernt man Menschen in einem fremden Land kennen? Auch wenn die Amerikaner sehr freundlich und offen sind, ich glaube würde ich darauf warten, dass mich jemand an der Kühltheke im Supermarkt anspricht, wäre ich ein Eiszapfen. Was also sonst tun? Ich habe es eine weile mit Social Media und Dating Plattformen versucht. Dating heisst ja nicht, dass es nur um das eine geht, ich habe schon oft so wirklich interessante Menschen kennen gelernt, woraus sich tolle Freundschaften entwickelt haben. Aber selbst das ist hier gar nicht mal so einfach. Ein Phänomen was ich hier ernsthaft kennenlernen musste, ist z.B. Ghosting. Schon mal was davon gehört?

Menschen verschwinden von heut auf morgen aus deinem Leben. Unangemeldet und ohne Erklärung. Einfach kein Kontakt mehr. Das scheint hier öfter vorzukommen, als mir das jemals in Deutschland aufgefallen wäre. Man schreibt sich, nette Unterhaltungen und zack, nichts mehr. Das kann auf Dauer frustrierend sein und dazu führen, dass neue Kontaktaufnahmen eher vorsichtig angegangen werden. Man überlegt sich zweimal, was man preisgibt und wie offen man ist.

Wie dem auch sei, ich glaube ich bin im Moment ein wenig verheizt. Ich hab hier am Anfang ziemlich Gas gegeben, mit Wohnung etc...und jetzt geht mir ein bisschen die Luft aus. Die Wochenenden bleibe ich oft zu Hause, nun ja momentan ist auch vorzugsweise am Wochenende das Wetter schlecht, aber dennoch muss ich mir eigentlich selbst ein wenig in den Hintern treten und wieder raus gehen. Allein der Elan fehlt ein wenig. Und dann ist er da, der Moment wo man sich wünscht, dass einem am Morgen die Nachbarin über den Weg läuft, man mittags einfach ins Auto sitzt und zu Freunden auf nen Kaffee fährt oder man abend was zusammen unternimmt... all das muss ich mir hier erst aufbauen und es scheint gar nicht so einfach zu sein...

Passt gut auf Euch auf!
Sandra

Sandra Jausch

Seit Januar 2019 auf neuen Wegen...

Was erst nur ein dreimonatiger Austausch sein sollte, entwickelte sich sehr schnell zu 2 Jahren Auslandserfahrung. Nun bin ich als bis Ende 2020 hier in Atlanta / Georgia und lasse Euch teilhaben...

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