USA TEIL 3

Place to stay...

Gleich vorab: Auch für diesen Bericht gilt: Es sind meine Gedanken und meine Sichtweisen, die gern von anderen eben genau anders gesehen werden können ...

Das Thema Wohnungssuche. Tja was soll ich sagen, auch hier gab es ein paar Dinge für mich, die ich so nicht kannte. Am Anfang musste ich mir darum ja keine wirklichen Gedanken machen. Für meine “Austauschzeit” am Anfang, war ich in einem Air BNB untergebracht und konnte damit auch soweit ganz gut Leben. Wenn gleich ich zugeben muss, dass mit dem Entschluss hier zu verlängern für mich auch klar war, dass ich nicht dort bleiben wollte. Das lag weniger an meinen Vermietern, die wirklich sehr nett waren, als vielmehr an der Gegend. Da sind wir auch schon beim ersten Kriterium In dieser Gegend hätte ich mich am Abend nach Sonnenuntergang vermutlich nicht unbedingt allein zu Fuss auf die Strasse getraut, um noch eine Runde spazieren zu gehen. Ich kann nicht mal wirklich beschreiben warum, es war ein Gefühl. Das wurde auch nicht unbedingt besser, als Michi und Vio da waren und wir auf Tour gingen. Mein Vermieter meinte damals, ich soll ihm vorher schreiben, wenn wir wieder kommen, nicht dass er uns für Einbrecher halt und mit dem Gewehr vor uns steht. Ich würde wetten, dass er das nicht spassig meinte…

Für mich spielten bei der Suche nach der richtigen Gegend zwei Sachen eine Rolle, die Lage an sich und ich wollte meinen Standpunkt an sich verändern, vielleicht ein wenig kürzer auf Arbeit und aber auch Eine kleinere Distanz nach Atlanta an sich. Kennesaw liegt nördlich von Atlanta und mein erster Wohnort lag von Kennesaw gesehen westlich. Also war für mich klar, ich brauch irgendwas zwischen Kennesaw und Atlanta. Ein Blick auf die Karte und Marietta war schnell auserkohren.

Zweiter Punkt die Gegend, hier gibt es in Amerika unzählige Seiten zum Thema “neighborhood watch”. Was das ist? Auf diesen Seiten kann man sich erkundigen, wer so in der Nachbarschaft wohnt. Verrückt? Oh ja! In Amerika gibt es in Sachen Datenschutz einige Ausnahmen, eine davon Betrifft Straftäter. D.h. auf diesen Seiten kann man nachsehen, welche Straftäter so um einen herum wohnen würden, nach einer Registrierung kann man nicht nur verschiedenfarbige Punkte ausmachen, während die Farben für verschiedene Verbrechen stehen, vom Diebstahl, über Gewaltverbrechen bis hin zu Misshandlungen. Sondern man bekommt unter Umständen sogar Bilder und Namen angezeigt. In Deutschland undenkbar. Hier hingegen scheint man mit einem Verbrechen seine Rechte verloren zu haben. Nun kann man darüber streiten, ob das richtig ist oder falsch. Aber ich gestehe, auch ich habe einen Blick rein geworfen.

Nach dem ich also eine ungefähre Gegend hatte, ging es an die genaue Suche, auch das läuft hier komplett anders irgendwie. Wenn man wie ich, nicht auf der Suche nach einem Haus, sondern einer Wohnung, sprich einem Apartment ist, dann kommt man um entsprechende Apartmentanlagen nicht drumherum. In Städten ist das hier offensichtlich normal. Diese Anlagen sind meist wie kleine Dörfer und besitzen oftmals sogar eine bewachte Pforte, wo man nicht einfach so rein kommt. Des Weiteren gibt es immer so eine Art Leasingbüro, wo man alles notwendige erledigen kann, oftmals ist ein Officebereich dabei, wo Rechner zur Verfügung stehen, wenn man was erledigen muss und auch sonst sind diese Büros eigentlich 7 Tage die Woche geöffnet. Ergänzt wird das Angebot durch Annehmlichkeiten wie Pools, Spielplätze, Grillmöglichkeiten, Tennisanlagen oder Fitnessräume, Waschräume und manche Anlagen besitzen sogar sogenannte Car Care Center. Sprich Plätze wo man sein Auto waschen kann. Die Anlage oben auf den Bildern ist übrigens die meinige. Diese Anlagen findet man ländlich eigentlich nicht. Daher kaum eine Chance.

Wie geht man also vor. Ich habe bereits bevor ich nach Deutschland zurück geflogen bin mit der Suche begonnen. Hier geht man einfach zu den einzelnen Anlangen, läuft ins Büro, lässt sich herumführen und vergleicht. Und das sollte man auch wirklich tun, denn ich habe mir so einige Anlagen angesehen und sie sind soooo verschieden und dabei rede ich weniger von den Wohnungen ….wobei das auch.
Hauptausschlusspunkt waren für mich die Außenanlagen, wenn ich eins gelernt habe dann, wenn die Außenanlagen schon nicht gepflegt sind, dann erwartet nicht, dass es die Wohnungen sind. D.h. gibt es Ecken, wo sich der Müll türmt, oder es einfach unsagbar schmutzig ist, dann ab zur nächsten Anlage. Was für mich ebenfalls problematisch war, war das Thema “Showrooms”. Das bedeutet, dass man oftmals eine Art Vorzeige-Apartment gezeigt bekommt, vergleichbar mit einer Art Musterhaus. Die eigentliche Wohnung die man mieten will, ist oftmals nicht zu besichtigen, weil sie entweder noch bewohnt ist, oder gerade renoviert wird, oder was auch immer. Allerdings habe ich bei meinen Recherchen auch oft gelesen, dass die eigentliche Wohnung dann nicht mehr viel gemein hatte, mit der Musterwohnung, wenn man mal vom Grundriss absieht. Also eine Falle in die ich nicht tappen wollte und dir mir ein wenig Angst machte, denn gerade vor meiner Reise zurück, habe ich ausschließlich Showrooms zu sehen bekommen. Dementsprechend war ich auch verunsichert.

Wie setzt man einen Treffer – gute Frage und im Nachhinein betrachtet, gehört da vermutlich auch eine Portion Glück dazu. Als ich zurück geflogen bin, habe ich mir nochmal eine Liste gemacht, von Analgen, die ich mir noch nicht angesehen hatte. Und ich hatte mir schon einige angesehen. Ich landete am Montag, ging Dienstag ins Büro bis Mittags und machte mich dann auf den Weg meine SSN zu beantragen. Als ich danach noch Zeit hatte, machte ich mich daran meine Liste abzuarbeiten. Und in einer der Anlagen hatte ich etwas, was ich davor noch nicht hatte. Man konnte mir zwei Wohnungen zeigen, die ich auch hätte direkt mieten können, also die Originalwohnungen, keine Showrooms. Die erste war wirklich nice, hatte einen Kamin und war im Vergleich zu meiner jetzigen grosser und günstiger. Aber: Ein Manko was einfach viele amerikanischen Apartments haben, die Wohnung hatte überall ausser im Bad Teppich. Die zweite lag im Erdgeschoss, war einen Tick kleiner, hatte aber eine schöne offene Küche und überall ausser im Schlafzimmer hardfloor Boden – yeah. Dafür verzichtete ich auch auf den Kamin.

Nun diese Wohnung wollte ich, sie war frei aber wie ging es weiter und vor allem, wann könnte ich einziehen? Es folgten ein paar Stunden im Leasingbüro mit einer Art Maklerin, bei denen ich unglaublich viel gelernt habe. Wir sind zusammen den Mietvertrag mit allen Extras durchgegangen – übrigens 46 Seiten – und sie hat mir geholfen, dass ich überhaupt vom Management der Anlage akzeptiert wurde, da ich noch keine SSN, keinen Kreditscore oder sonst irgendwas vorweisen konnte. Und dann machte sie mir ein Angebot, bei dem meine monatliche Miete kleiner wäre und sie mir sogar noch ein paar Gebühren erlässt, wenn ich gleich am nächsten Tag einziehe… wie bitte? Diese Angebote gibt es hier übrigens vermehrt wie ich nun gelernt habe. Anschauen und sofort Mieten und es lassen sich wirklich Schnäppchen machen. Allerdings nur da, den die Mieten an sich sind wie gesagt relativ heftig. Ich habe ein kleines Apartment, hier nennt man es 1Bath/ 1 Bed und mit allen Kosten komme ich auf etwas mehr wie 1200 kalt. Darin enthalten sind Müll – welcher hier direct vor meiner Tür abgeholt wird, Ungezieferbeseitigung, die Nutzung der Annehmlichkeiten wie Pool etc. und eben die Miete von Klösschen und mir. Ja genau von Klösschen, den ob man es glaubt oder nicht, für Haustiere zahlt man hier eine Extramiete, die nicht unbedingt klein ist, dazu kommen Gebühren von 400 Dollar, damit die Katze überhaupt einziehen darf. Und das ist nicht als Kaution zu sehen, denn diese 400 Dollar gibt es nicht zurück.

Damit man aber in so ein Apartment einziehen kann, braucht man eine Versicherung, Strom und Gas. Und damit man einziehen darf, muss das auch alles vorher geklärt werden. Aber wie sollte ich das schaffen, damit ich am nächsten Tag einziehen kann? Dank der Hilfe der Maklerin hingen wir also einige Stunden zusammen am Telefon und versuchten alles notwendige in die Wege zu leiten. Versicherungstechnisch ist es hier nicht so, dass man Haftpficht, oder Hausrat abschließt die allgemein gilt und gut ist. Sondern man schließt sowas wie eine Mieterversicherung ab, der Begünstigte ist dann quasi die Apartmentanlage und wenn man nicht wirkliche Unsummen zahlen will, geht das nicht ohne Eigenbeteiligung. Da ich keinen Kreditscore hatte musste ich auch diese Versicherung für ein Jahr mal kurz im Voraus hinlegen….Bei Gas war es nicht anders, auch hier musste ich eine soganannte Security fee vorab zahlen um überhaupt einen Anschluss zu bekommen. Um die Sache mit dem Strom zu klären, war es an dem Tag leider zu spät.

Also verliess ich halb 7 Uhr abends das Büro, mit dem Wissen, dass ich am Morgen um 10 Uhr einziehen würde. Als ich morgens ankam, versuchten wir das Thema Strom noch zu regeln, was aber am Telefon nicht möglich war. Also musste ich auch kurz hier direkt vorbei fahren um 200 Dollar Sicherheitsgeld auf den Tisch zu legen um Strom zu bekommen. Wer jedoch denkt, dass die kommenden Rechnungen damit verrechnet warden, wie ich dachte, der irrt sich. Das scheint offensichtlich nicht so zu sein, denn meine erste Stromrechnung liegt bereits hier.

Nachdem auch das geregelt war, war die Übergabe reine Formalität und ich hatte noch vor 12 Uhr meine Wohnung inklusive meiner Schlüssel in der Hand. Von einem Tag auf den anderen in weniger als 24 Stunden. Verrückt, unbürokratisch, aber ohne die richtige Beraterin bzw. Helferin für mich kaum machbar. Gleich am ersten Tag habe ich mir noch ein Bett gekauft, es liefern lassen und habe am Abend Klösschen und meine 7 Sachen geholt und sofort hier geschlafen. So nach und nach haben wir uns eingelebt und auch eingerichtet. Wobei es dafür nicht viel benötigte, denn ich wollte auch nicht viel. Es gibt ein Bett, ein Sofa, einen Couchtisch, einen Katzenbaum, einen kleinen Schrank im Wohnzimmer und zwei Barhocker für meine Küchentheke. Einen Schlafzimmerschrank benötigt man hier nicht, da man einen begehbaren Kleiderschrank hat, die Küche war bis auf die Kleingeräte bereits ausgestattet mit Kühlschrank und Herd und einen TV will ich nicht mehr. Ich habe mich stattdessen für einen Beamer entschieden, denn ich sehr liebe.

Soweit ist also alles gut …. Und die nächsten Monate können kommen. Übrigens tatsächlich erstmal nur 12. Längere Verträge gibt es hier nämlich nicht. Dann muss man einen neuen abschliessen, der oftmals mit höheren Mieten einhergeht…aber so ist das nun mal.

Habt einen tollen Wochenanfang.

Passt gut auf Euch auf!
Sandra

Sandra Jausch

Seit Januar 2019 auf neuen Wegen...

Was erst nur ein dreimonatiger Austausch sein sollte, entwickelte sich sehr schnell zu 2 Jahren Auslandserfahrung. Nun bin ich als bis Ende 2020 hier in Atlanta / Georgia und lasse Euch teilhaben...

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