"Memo an mich selbst - Auch ich muss Dinge anders sehen..."

Im Moment schreibe ich recht viel. Auch viele unterschiedliche Themen. Der Grund, warum ich das ein oder andere nicht „fertig“ bekomme, liegt darin dass ich mich noch nicht hundertprozentig darin finde. Und erst dann fühlt es sich richtig an, die Dinge auch zu veröffentlichen. Also gut Ding will Weile haben…ich schlaf da einfach noch die ein oder andere Nacht drüber.

Aber ich habe heute etwas gelesen, was mir etwas anderes klar gemacht hat. Etwas was eine Situation beschreibt in der ich schon mega oft in meinem Leben war. Mal schmerzhaft, mal weniger. Aber dennoch hat es mich hier und da wirklich zur Verzweiflung gebracht, weil mich eines wirklich wahnsinnig und letztendlich auch wütend macht – Stille. Unerklärte Stille.

Wenn eine Person plötzlich unerklärt und aus heiterem Himmel zu schweigen beginnt, sich weniger meldet und sich einfach, im wahrsten Sinne des Wortes, sang- und klanglos aus deinem Leben verabschiedet. Schon mal passiert?

Mich persönlich trieb das oft an meine Grenzen und das tut es auch immer noch. Ich glaube in ein Schweigen kann man so unglaublich viel hineininterpretieren, man zermartert sich das Hirn, was denn los sei, was passiert ist, was sich geändert haben könnte … man bekommt keine Antworten und am Ende hinterfragt man immer sich selbst. Sprich, wo habe ich was falsch gemacht?!

Denn eins ist ziemlich sicher, oftmals ist das Schweigen der Anfang vom Ende. Es bedeutet, dass sich etwas geändert hat, dass sich etwas für den anderen nicht mehr so anfühlt, wie es vielleicht einmal war. Die andere Person möchte nicht mehr mit dir reden, so wie es mal war, sie hat nicht mehr das Bedürfnis ihr Leben, ihre Probleme oder ihre Gedanken mit dir zu teilen. Und statt den direkten, wenn auch härteren Weg zu gehen und dir ins Gesicht zu sagen, dass diese Person nun lieber mit jemandem anderes redet, beginnt sie zu schweigen. Eure Verbindung hat nicht mehr die Tiefe und ohne dass ihr es vielleicht merkt, wird dieses Schweigen für den anderen der bequeme Ausweg. Es ist gemütlicher, erklärungsfrei sich stillschweigend zu verabschieden… Und wer einmal das Schweigen beginnt, nimmt es nur selten zurück.

Bis hier hin änderte sich nichts an dem Umstand, dass mich dieses Verhalten teilweise ohnmächtig und wütend gemacht hat, denn nur selten ist man in der Lage irgendetwas an dieser Situation zu ändern. Man kann niemanden zwingen zu reden.

Aber ich kann mir einen anderen Blickwinkel verschaffen. Einen distanzierteren, einen auf mich fokussierten, auch wenn dies im ersten Augenblick eventuell sehr egoistisch klingt.

Wenn sich das Interesse oder die Gefühle der Person geändert haben, wenn sie lieber die Zeit, Aufmerksamkeit und die Gespräche mit jemand anderem führen möchte, wenn Sie beschlossen hat, die Dinge gänzlich allein mit sich zu klären und die Einsamkeit als Alltag akzeptiert – dann ist all das legitim, menschlich und irgendwo nachzuvollziehen – aber man muss es sagen!

Ich habe mir selbst eine schwere Aufgabe gestellt. Entgegen dem wie ich bisher getickt habe, entgegen meinem inneren Drang, Dinge und Menschen verstehen zu wollen, werde ich versuchen, es nicht mehr als meine Aufgabe anzusehen, herauszufinden, warum jemand schweigt, wenn er selbst auf die erste Anfrage nicht mehr reagiert. Ich werde versuchen mir nicht mehr das Hirn zu zerbrechen und zu analysieren, was falsch gelaufen ist oder wo ich eventuell etwas hätte anders, oder besser machen können.

Den eins ist ziemlich sicher, wenn mir jemand mit Schweigen entgegen tritt, dann weil er denkt, dass ich diesen Zustand verdient hätte. Wenn ihn etwas an meinem Verhalten oder Tun dazu bewogen hat, dies so zu sehen, dann okay – aber dann sag es mir ins Gesicht und bestrafe mich nicht mit einem in hundert Richtungen interpretierbarem Schweigen. Denn ich verdiene mehr als Stille, ich verdiene eine Erklärung, Worte. Und ich verdiene Menschen, denen Respekt etwas bedeutet und die nicht über Nacht einfach aufhören mit mir zu reden.

„Die Ironie ist, die beste Antwort auf Menschen, die plötzlich aus deinem Leben aussteigen, ist ebenfalls Stille. Spar dir deine Worte für diejenigen auf, die sie zu schätzen wissen.“



Passt gut auf Euch auf! Sandra