Jemand der mir nahe steht, postete vor einiger Zeit ein Bild mit Aussagen über verschiedene Sternzeichen. Bei meinem stand als Eigenschaft "laut". Ich war überrascht und dachte sofort, hey das stimmt doch nicht :) Ich habe die Person dann auch darauf angesprochen, die Antwort war, dass ich an sich kein lauter Mensch sei, aber mein Charakter hätte sowas wie laute Eigenschaften. Ich hab es echt nicht kapiert. Weder im ersten Moment, noch im Zweiten.

Aber der Gedanke hat mich nicht losgelassen. Laut zu sein ist ja grundsätzlich erstmal nichts Negatives (oder doch?), nur habe ich mich eben in dem Moment nicht so gesehen. Und mich daher gefragt, was andere Menschen bei mir als laut empfinden könnten. Also spuckt der Gedanke seit ein paar Wochen in meinem Kopf rum.

Also ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die laut sind im Sinne von Herumbrüllen, Schreien oder lautem Reden. Aber mir ist langsam bewusst geworden, dass etwas dran ist. Denn mein Kopf und meine Gedanken sind laut. Sie ackern permanent vor sich hin. Wenn ich nachts wach werde (was in aller Regelmäßigkeit permanent passiert) dann sind sie sofort da, Gedanken, Gedankensprünge und Dinge um die sich alles dreht. Es dreht sich, es ist laut, es beschäftigt mich und es lässt mich nicht wirklich zur Ruhe kommen. Augen auf, zack da ist es. Das muss nicht zwangsläufig negativ sein. Wenn man positive Gedanken hat, die dies auslösen, ist das unter Umständen auch etwas äußerst angenehmes. Wenngleich man auch davon sicher hin und wieder eine Pause vertragen kann.

Es kann aber auch an die Substanz gehen. Ich erinnerte mich daran, wie viel ich früher gearbeitet habe, wie viele Projekte sich gleichzeitig in meiner Pipeline tummelten und ich oftmals nicht mehr hinterherkam. Immer mit dem Denken, dass es weniger werden muss, um letztendlich doch noch viel mehr zu machen. Noch ein Projekt, noch ein Auftrag, noch ein Erfolg um immer auf der Welle des Gefühles zu bleiben, gebraucht zu sein, erfolgreich zu sein und einen Platz zu haben. Immer den inneren Drang zu haben, noch einen drauf zu setzen. Noch besser zu sein. Dass mich das über die Jahre hinweg körperlich an meine Grenzen gebracht hat, wollte ich damals nicht sehen.

Heute arbeite ich viel weniger. Sicherlich immer noch mehr wie der ein oder andere, aber für meine Verhältnisse wirklich gemäßigt. Alles ist gut, es geht mir auch gesundheitlich relativ gut und mein Leben ist wirklich in Ordnung. Aber bin ich deswegen ruhiger?

Nein!

Vielleicht empfinde ich mich im Moment sogar lauter als jemals zu vor. Ich habe seit Monaten die Kamera nicht mehr in der Hand gehabt und eigentlich wenn ich unterwegs war, nur noch das Handy gezückt. Diese Phasen gab es öfter und das ist auch nicht schlimm. Aber ich merke, dass es mir fehlt mich auszudrücken. Fotografie war immer eine Art mich auszudrücken. Es geht dabei nicht nur (es sei denn es sind Auftragsarbeiten) darum, einfach etwas abzulichten. In meinen Bildern steckt tatsächlich viel mehr. Viel mehr von mir und wie ich mich fühle. Wenn man mich ein wenig kennt, kann man das ggf. sogar daran ablesen, wie ich meine Bilder bearbeite. Fotografie ist nicht nur Technik, es ist Kunst. Wie malen mit Licht.

Das Schreiben ist eine weitere Form wie ich mich ausdrücken kann, wie ich Dinge rauslassen kann, die in mir brodeln. Aber wie lange ist mein letzter Blog her? Genau...sehr lang.

In den letzten Wochen habe ich deutlich gemerkt, dass es in mir so laut ist. So verdammt laut, aber ich konnte es nicht einordnen und deswegen vermutlich auch nicht umsetzten und rauslassen. Man kann diese Dinge und Gefühle auch nicht immer benennen oder beschreiben. Aber ich kann sagen, dass ich innerlich nicht zur Ruhe komme, mein Kopf permanent arbeitet, ohne eine konkrete Richtung einzuschlagen, ohne die Energie auf ein Projekt zu leiten und dabei wirklich nicht nur kreativ, sondern eben auch produktiv zu sein. Es ist ein hilfloses hin und her rennen, ohne zu wissen, wohin ich will und wegen was. Und ziellos zu sein war noch nie etwas, mit dem ich gut umgehen konnte. Letztendlich merke ich also, dass ich nach außen hin vielleicht immer ruhiger werde, aber innerlich schreit es. Und ich brauche einen Ausgleich, eine Art Kompensator. Ich brauche wieder ein Projekt. Keine Angst, ich denke nicht darüber nach in alte Muster zu verfallen. Aber ich brauche wieder etwas auf was ich hinarbeiten und auch hin leben kann. Reisen, Schreiben, Fotografie...ich weiß noch nicht was es sein wird. Ich weiß noch nicht genau, was sich gut anfühlt.

Ich weiß auch nicht, ob die Person es genau so gemeint hat, was das laut sein mit mir verbindet. Vielleicht deute ich es völlig falsch, aber das kann sie mir bei Gelegenheit ja vielleicht sagen.

Aber was ich weiß - und das mag negativer klingen als es gemeint ist - ich weiß, dass es Momente gibt, in denen ich nicht laut sein möchte. Ich möchte vielmehr an mir arbeiten, um leiser zu werden. Richtig leise. Vielleicht sogar manchmal gänzlich stumm.

Someone close to me posted a picture with statements about different zodiac signs some time ago. Mine had the property "loud". I was surprised and thought immediately, hey this is not true :) I asked the person, the answer was that I am not a loud person, but my character would have something like loud qualities. I really did not get it. Neither in the first moment, nor in the second.

But i was not able to stop thinking about it. Being loud is basically nothing negative (or is it?), but I didn't see myself like that at that moment. And therefore I asked myself what other people might feel as "loud" about me. So the thought has been spitting around in my head for a few weeks now.

Well, I certainly don't belong to those people who are loud in the sense of shouting, screaming or talking loudly. But I'm starting to realize that there's something right about it. Because my head and my thoughts are loud. They are constantly working. When I wake up at night (which happens regularly) they are there immediately, thoughts, mental leaps and thought who spinning about everything. It rotates, it is loud, it keeps me busy and it doesn't really let me rest. Open your eyes, there it is. That does not necessarily have to be negative. If you have positive thoughts that trigger this, it can also be something extremely pleasant. Although you can certainly take a break from that every now and then.

But it can also take a lot of strength. I remembered how much I used to work in the past, how many projects were in my pipeline at the same time and often I couldn't keep up with them. Always thinking that I had to do less in order to do a lot more in the end. One more project, one more assignment, one more success to always stay on the wave of feeling needed, to be successful and to have a place to be. To always have the inner urge to go one step further. To be even better. At that time I didn't want to see that this has pushed me physically to my limits over the years.

Today I work much less. Certainly still more like one or the other, but really moderate by my standards. Everything is good, my health is relatively good and my life is really okay. But is that why I am more calm?

No.

Maybe I feel louder than ever before at the moment. I haven't had the camera in my hand for months and when I was out and about I only pulled out my mobile phone. These phases happened more often and that's not bad. But I notice that I lack the ability to express myself. Photography has always been a way of expressing myself. It's not just (unless it's a job) about simply photographing something. There is actually much more in my pictures. Much more of me and how I feel. If you know me a little bit, you might even be able to tell by the way I edit my pictures. Photography is not only technique, it is art. Like painting with light.

Writing is another way I can express myself, to let things out which bubbling insideof me. But how long ago was my last blog? Exactly... very long.

In the last few weeks I've clearly noticed that it's so loud inside of me. So damn loud, but I couldn't place it and therefore probably couldn't put it down and let it out. You can't always name or describe these things and feelings. But I can say that I can't calm down inside, that my head is constantly working without taking a concrete direction, without directing the energy to a project and being not creative or even productive. It's a helpless running back and forth without knowing where I want to go and what for. And being directionless has never been something I was good at. So in the end, I realize that I may be getting quieter on the outside, but on the inside it screams. And I need a balance, some kind of compensator. I need a project again. Don't worry, I'm not thinking about falling into old habits. But I need something I can work towards and live towards again. Travel, writing, photography... I don't know what it will be yet. I don't know exactly what feels good.

I also do not know if the person meant exactly that, what she was talking about i am beeing loud. Maybe I'm misinterpreting it completely, but maybe she can tell me one day.

But what I do know - and this may sound more negative than it is meant - I know that there are moments when I don't want to be loud. I would rather work on myself to become quieter. Really quiet. Maybe even sometimes completely silent.

Passt gut auf Euch auf! Take care!
Sandra