Ich habe gerade oben stehendes Video auf Facebook entdeckt. Und ich bin von der ersten bis zur letzten Minute des Videos hängen geblieben. Man muss Jan nicht mögen, auch nicht die Dinge die er tut, aber hier lässt er im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter. Aber darum geht es gar nicht, auch wenn ihm dafür mein Respekt sicher ist. Vielmehr war ich tief berührt weil ich jeden seiner Sätze nicht nur geglaubt habe, sondern sie fühlen konnte. Ich hab jedes einzelne Wort nachvollziehen können, weil ich selbst in der Situation war.

Wenngleich ich auch nicht in die Notaufnahme kam, so habe ich es noch heute einer sehr achtsamen Ärztin zu verdanken, dass sie mich damals für mehrere Wochen aus dem Verkehr gezogen hat. Damals für mich sogar noch unverständlich. Ich kapierte nicht was mit mir passierte, ich wollte in mein altes gewohntes Hamsterrad zurück. Das war mir doch so vertraut. Was es jedoch täglich mit mir machte und wie viel Kraft mich mein Leben kostete, das hatte ich damals nicht mehr auf dem Schirm. Wenngleich mir mein Körper mehr als deutliche Zeichen sendete, die ich sorgfältig ignorierte.

Nur durch diese Auszeit war ich gezwungen, mich wirklich mit mir selbst zu beschäftigen und Dinge zu hinterfragen. Warum reagierte ich, wie ich es tat. Warum war ich zu solch einem Workaholic geworden, was war der Sinn und was war der Grund?

Heute weiß ich, dass es die Angst war zu fallen. Zurück zu fallen. Nicht zu genügen. Nicht gut genug zu sein. Es musste immer schneller werden, immer mehr Jobs, immer mehr Aufträge, immer mehr Erfolg. Beweisen, dass ich es kann.

Ich bin froh, dass ich damals diesen Schuss vor den Bug bekommen habe, ich denke, es war in wirklich letzter Minute. Ich habe die Kurve bekommen, Dinge erkannt und weiß heute, dass ich noch hundertmal mehr arbeiten konnte, das es am Punkt der mich damals antrieb nichts geändert hätte. Ich musste mich ändern. Und das habe ich. Das hat vielleicht auch ein stückweit Norwegen und die Gewissheit, dass Grundvertrauen hilft.

Ich bin heute an einem Punkt, an dem ich weder mir, noch anderen etwas beweisen muss. Ich muss nicht jeden Tag ein Topbild online stellen. Manchmal poste ich tage- oder wochenlang keins. Meine Reichweiten interessieren mich nicht, ebenso wenig, wie die Likezahlen. Wichtig sind andere Dinge. Wichtig ist es, dass ich glücklich bin, dass ich ein Leben führe, was mir gefällt. Dass ich Menschen um mich habe, die ich liebe, selbst wenn sie hunderte und tausende Kilometer entfernt sind. Ich habe trotzdem das Grundvertrauen, dass sie da sind, wenn ich falle. Da sind, wenn ich sie brauche. Genauso wie sie es damals waren.

Ich kann heute auf meinen Körper hören, wenn er mal schreit, gönne ich ihm eine Pause, ohne schlechtes Gewissen. Ich renne nicht mehr, ich laufe bedächtig und nehme umso mehr wahr. Ich liebe das Leben, mehr denn je und ich lächle mehr als ich es jemals in meinem Leben getan habe. Ich fühle mehr und schrecke nicht mehr davor zurück, mich auch mit mir selbst auseinander zu setzten, wenn es mal unangenehm wird. Das gehört dazu und es ist gut so.

Ich lerne langsam aber stetig, wieder zu vertrauen. Vertrauen wurde mir in meinem Leben früh genommen. Vertrauen in andere und auch mich selbst. Dies war vermutlich der grösste Punkt, der mich immer und immer wieder dazu angetrieben hat, mich selbst beweisen zu müssen. Heute vertraue ich mir selbst, meinen Gefühlen und meinem Handeln. Und ich beginne anderen Menschen wieder zu vertrauen. Weil es Menschen gibt, die mir gezeigt haben, dass sie es wert sind. Und weil ich es wieder möchte. Ich möchte vertrauen und lieben...

Und manchmal habe ich Angst...und da verstehe ich Jan nur zu gut. Manchmal habe ich Angst, für einen kleinen Moment verfalle ich dann in alte Muster. Und dann gibt es Menschen, die mich zu recht fragen, ob ich nur Angst vor dem Gefühl habe, oder wirklich glaube, ich könnte mit der Situation nicht umgehen, wenn etwas schiefgehen sollte. Und dann wird mir klar, dass es nichts gibt, mit dem man nicht irgendwie umgehen kann und dass es manchmal nur die Angst ist, die uns ausbremst.

Angst zu haben ist gut und wichtig. Sie macht uns sensibel für das Leben und uns selbst. Wir müssen nur darauf achten, dass sie nicht die Überhand gewinnt und unser Handeln beeinflusst. Letzteres lasse ich im Moment mehr durch Gefühle als den Kopf leiten, völlig neu und fremd für mich. Und es sollte mir Angst bereiten, tut es aber nicht. Letztendlich genauso unlogisch wie vieles andere...lach...

Aber vielleicht besinne ich mich nur darauf, was Jan sagte... ich besinne mich auf das wirklich Wichtige, das was im Leben wirklich zählt..

Passt gut auf Euch auf!
Sandra